Fotografie: "Was haben zwei Flamingos am Baggersee, mit einer russischen Kiev 88 zu tun ?"

 

Viele von euch haben ja mitbekommen das ich mir eine Kiev 88 mit diversem Zubehör gekauft habe (Link). Die Kiev ist eine analoge Mittelformat-Kamera, welche als günstige Kopie zu der deutlich teurere Hasselblad 1600F in Russland entstanden ist. Warum habe ich mich dafür entschieden, genau diese zu kaufen?

 

Klare Ansage, ich habe das Geld nun mal nicht um mir eine Hasselblad 1600F zu kaufen. Selbst einen mamiya

 

Da mir aber die optische Form und die Haptik sehr gefällt, war die Kaufrichtung schnell vorgegeben. Das ist unabhängig von der Technik für mich sehr wichtig. Denn warum sollte ich etwas in den Händen halten, was technisch Top ist, aber sich befremdlich anfühlt? Was mir auch gefällt, ist das sie rein mechanisch arbeitet. Also nix mit Batterie oder Akku, mal abgesehen vom vorhandenen Prismensucher. Dazu kommt noch das Bildformat, welches quadratisch mit 6x6cm ist. Ein Format, dass mich derzeit sehr interessiert.

 

Grundlegend finde ich das Mittelformat interessant. Da man dort bei einem 120er Film und dem Format 6x6, maximal 12 Bilder schiessen kann. Also ist der Film auch relativ schnell voll. Das wiederum hat den Vorteil, dass ich ungeduldiger Kerl, nicht allzu lange warten muss, bis ich das Ergebnis in den Händen halte. Von wegen Entschleunigung und so. (ironieaus)

 

Akustisch ist sie auch etwas, Besonderes, wenn man darauf steht. Wer mal die Möglichkeit hat so eine Kamera sich anzuhören, wenn diese auslöst wird, kann das bestätigen. Deswegen taugt sie auch nicht für Fotos bei einer Hochzeit in der Kirche. Da würden sonst Pfarrer, Brautpaar und die Gäste jedes mal zusammen zucken wenn der Auslöser betätigt wird.

 

Eine Kiev 88 ist eine Kamera, die man heute für relativ günstiges Geld erwerben kann. Doch so günstig sie ist, so ist sie auch verschrieen als sehr unzuverlässig, so dass man sehr viel Glück haben musst, um bei eBay oder sonstigen Plattformen, ein wirklich funktionierendes Exemplar zu bekommen. Meine Kiev habe ich deshalb in einem Fotofachgeschäft gekauft. Was zwangsweise aber nicht heißen muss, das dieses funktioniert. Der Inhaber sagte nur das er sie deswegen nicht in die Auslage gelegt habe, da er keine Garantie geben kann.

 

Es gibt wohl zwei Arten von Problemen, in der diese Kamera für Frustration führen kann. Da wäre zum einen, dass das Fett/Öl für die beweglichen Bauteil verharzt ist. Was ich nicht als Fehler sehe sonder dem Alter geschuldet ist. Ich meine, beim Auto machen wir ja auch immer wieder einen Ölwechsel, damit der Motor noch lange gut läuft. Also wenn ich eine analoge Kamera kaufe die älter als 20 Jahre ist, kann es nun mal passieren, das hier eben ein „Ölwechsel“ fällig ist.

 

Die zweite Version warum eine Kiev nicht mehr funktioniert, liegt an Bedienungsfehler den der, oder die Benutzer im Vorfeld gemacht haben. Im Gegensatz zu vielen anderen Kameras, hat die russische Kamera ein eine Eigenart, die man tunlichst beachten sollte: 

 

Was "tödlich" für diese Kamera ist, man darf nie und ich meine NIE(!), die Belichtungszeit verstellen, wenn der Film in der Kamera noch nicht weiter transportiert wurde. Das verzeiht sie niemals, bzw. spätestens beim 2x Mal ist die Mechanik so weit geschrottet, das man die Kamera entweder in den Müll packt oder noch mal ca. 100 Euro investiert um diese reparieren zu lassen. Dabei muss man beachten, das es in Deutschland keinen Reparaturservice gibt, der die Kamera wieder zu einem bezahlbaren Preis auf Vordermann bringt. Ich habe jedenfalls keinen gefunden. Was aber möglich ist, man kann seine Kamera zu Arax in die Ukraine schicken. Auch heute noch werden die Kiev 88 und auch die Kiev 60 dort fachgerecht repariert. 

 

Also das Ende vom Lied. Meine Kiev war plötzlich nicht in der Lage, vernünftig den Verschluss zu öffnen, obwohl sie vorher im Fotoladen nach einigen optischen Test, funktionierte. Sicher hätte ich sie versuchen können sie dem Händler zurückzubringen. Aber da er keine Garantie/Gewährleistung gab, mache ich mir den Stress nicht.

 

Ich habe nun von einem befreundeten Fotografen eine weitere Kiev zum Testen zugeschickt bekommen. Diese wird, wenn sie den ersten belichteten Film gut überstanden hat, im Austausch in meinen Besitz übergehen. Mein fettes Danke geht an dieser Stelle an Roland !!!! 

 

Aber ich möchte auch darauf hinweisen, das nicht jede gebrauchte Kiev ein Griff ins Klo sein muss. Es gibt sicher da auch Exemplare da draussen, die ihren Dienst sehr gut verrichten. Es gibt auch Fotografen, die diese Kamera seit Jahren/Jahrzehnten nutzen, ohne Probleme zu haben. Wie gesagt, es sind wohl meist die Bedienungsfehler, die der Kamera nicht gut tun. Also wenn ihr eine funktionierendes Exemplar habt, gebt es sie nur aus der Hand, wenn diese gespannt ist. Kann ja nix passieren solange die Metall-Trennscheibe hinten in der Filmkassette steckt. Also keine Panik vor versehentlichem Auslösen.

 

Doch nun kurz zurück zum eigentlichen Titel des Beitrages: „Was haben zwei Flamingos am Baggersee, mit einer Kiev 88 zu tun ?“

 

Da die Kiev einige Zeit ausser Gefecht gesetzt war, bin ich auf den Gedanken gekommen, meine künftigen Aufnahmen mit meiner digitalen Olympus, bis auf weiteres nur noch im Format 1:1 zu machen. Damit konnte ich schon mal mit dem Quadratischen Format üben. Die Aufnahme mit den zwei Flamingos am Baggersee ist die erste Aufnahme im quadratischen Format, die ich wirklich so bewusst gemacht habe. Die Aussentemperaturen lagen bei ca. 5 Grad aber das störte die Vögel überhaupt nicht.(grins)

 

Für mich ist dieses Format auf jeden Fall mal was Neues und bin schon auf die nächsten Bilder gespannt. Wer von euch fotografiert (analog oder digital) im Quadrat und was eignet sich eigentlich besonders für dieses Format?

 

Nachtrag: Habe mir in der Zwischenzeit die Ausgabe IV.2018 der Photoklassik gekauft. Dort hat Marwan El-Mozayen einen sehr ausführlicher Bericht über diese Kamera geschrieben und diesen mit vielen Bildern versehen. Eine absolute Kaufempfehlung !

 

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