Stellung beziehen - als Mensch und als Kreativer

Ein Gastbeitrag von Roy Focke

Wir leben in einer politisch brisanten Zeit. Die rechten Parteien haben einen Wortschatz etabliert wie er zuletzt während der Hitler- bzw. Nazi-Zeit genutzt wurde. Sie bieten den Wählern und Wählerinnen zu komplexen Problemen scheinbar einfache Lösungen. Am Klimawandel, der von vielen von ihnen angezweifelt wird ist nicht der Mensch sondern die Sonne schuld, die deutsche Automobilindustrie hat jegliche Investitionen in die Entwicklung von Zukunftstechnologien verschlafen und die Rechten wollen „unseren Diesel“ retten, anstatt endlich die Erforschung von immer effektiveren Photovoltaikanlagen und Batteriesystemen zu fördern werden sowohl Klimaschutzabkommen als auch jede wissenschaftliche Erkenntnis in Frage gestellt und gefordert noch viel länger als in entsprechenden internationalen Verträgen festgelegt auf die Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen wie Öl, Kohle und Gas zu setzen. Finden rechte Parteien mal keine einfachen Antworten sind einfach immer die Flüchtlinge, also die Migranten, oder die Juden Schuld.

 

Sollte jemand auch nur wagen sinnvolle Argumente und wissenschaftliche Hin- und Beweise vorzubringen wird diese Person als „linksgrünversiffter Gutmensch“ beschimpft und so versucht den Menschen selbst zu diffamieren und dessen Argumente ins Lächerliche zu ziehen und als Quatsch hinzustellen.

 

Inzwischen haben die Rechten es schon geschafft etablierte Parteien mit ihren Themen vor sich herzutreiben. Es wird sich schützend vor die kohleabbauende Industrie gestellt um deren Arbeitsplätze zu schützen obwohl allein in der Photovoltaik-Industrie in den letzten Jahren durch den Abbau jeglicher Förderungen ein vielfaches dieser vernichtet wurden und die vielen Arbeitsplätze, die durch ein massives Engagement in Technologien der Zukunft geschaffen würde, werden nie entstehen. Die Migrationspolitik wird immer radikaler. Anstatt wie es unsere moralische Verpflichtung als Menschen ist Flüchtlingen zu helfen und sie in unserer Mitte aufzunehmen lassen wir sie von uns bezahlten Söldnertruppen überwacht im Mittelmeer ersaufen und auf den Landwegen erbärmlich verrecken oder sie gleich in Stücke zerhacken. So lange dies von uns weit genug entfernt geschieht interessiert uns das nicht. Frei nach dem Motto „Aus den Augen aus dem Sinn“. Im Gegenteil unterbinden wir inzwischen jede Hilfe von Freiwilligen und stellen diese in Aussicht jahrelanger Haftstrafen vor Gericht sollten sie auch nur auf die Idee kommen Flüchtlingen helfen zu wollen. Ich könnte die Liste der Themen noch sehr viel weiter ausbreiten, aber das würde den Rahmen dieses Beitrages sprengen.

 

Ein Youtuber namens Rezo hat in einem Video der CDU/CSU die politischen Versäumnisse dieser Partei dargelegt und jede Aussage mit Quellenangaben belegt und den Politikern fällt nichts besseres ein als besagten Rezo persönlich anzugreifen und ihn als dummen Youtuber zu diffamieren anstatt sich mit den angesprochenen Themen auseinanderzusetzen und Lösungsvorschläge zu präsentieren. Erst hat der Vorzeigevertreter einer neuen Generation, der CDU-Politiker Philipp Amthor, welcher aber eigentlich ein 70 Jahre alter Mann im Körper eines 26jährigen Burschen mit der Optik eines Harry Potter ist, ein Antwortvideo in dem er wahrscheinlich frech und versucht schlagfertig auf die Aussagen des Rezo-Videos eingeht gedreht, welches dann zurückgehalten und durch ein 11-seitiges Dokument ersetzt wurde, in dem die CDU/CSU wieder einmal nur unverbindliche Aussagen macht, mit denen sie sich zu nichts bekennen und erst recht zu nichts verpflichten. Man muss inzwischen davon ausgehen, sie haben diese einfach gar nicht, sondern sie versuchen sich irgendwie durchzuwursteln. Hauptsache sie bleiben an der Macht. 

 

Um diesen Machterhalt zu erzielen werden aber nicht nur die Themen, die ihnen die rechten Parteien aufdrängen dankbar übernommen. Es wird sich diesen immer weiter angenähert. Der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck, welcher noch dazu ein evangelischer Theologe ist, hat vor wenigen Tagen mehr „Toleranz in Richtung rechts“ gefordert. Eben dieses hat der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer dankbar aufgegriffen und in einem Tweet vom 15. Juni 2019 geschrieben „ein gesunder Patriotismus, Heimatliebe oder das bewusste Leben von Werten ist wichtig für unser Land. All das ist weder verstaubt noch verdächtig - es ist menschlich.“ Derselbe Michael Kretschmer hat zu verantworten, dass zum Beispiel am 01. Mai 2019 eine Demonstration von Neonazis durchgeführt werden durfte, bei der hunderte Personen in einheitlicher einer Uniform gleichenden braun-beigen Bekleidung mit Fackeln, Trommeln und Fahnen bewaffnet rechtsextreme Ausrufe skandieren und einen Galgen aufstellen durften. Weiter häufen sich Straftaten mit rechtsextremen Hintergrund vor allem in den östlichen Bundesländern und besonders im von Kretschmer regierten Sachsen. Gleichzeitig empfindet er aber zum Beispiel politische Aktionen wie die des linken Künstlerkollektivs „Zentrum für politische Schönheit“ - beispielhaft nenne ich hier den Nachbau des Holocaust-Mahnmals, welches sie im Garten eines Nachbargrundstückes von Björn Höcke erstellt haben - als geschmacklos. Kretschmar stellt damit den unter Demokraten herrschenden Konsens einer klaren Abgrenzung nach rechts in Frage. Damit kommen wir zu dem ehemaligen Chef des Verfassungsschutzes Hans-Georg Maaßen. Dieser ist CDU-Mitglied und für seine rechtspopulistischen Äußerungen bekannt und mit Recht auch von seinem Posten als Verantwortlicher des Verfassungsschutzes entfernt worden. Genau dieser Herr Massßen hat sich nun in einem Interview geäußert eine Koalition zwischen CDU/CSU und AfD sei möglich. Damit verfolgt er meiner Meinung nach zwei Absichten: Einerseits ist es mehr als offensichtlich, er ebnet sich so seinen Weg in die AfD falls er in seiner Partei an Bedeutung verlieren wird, andererseits verschiebt er damit aber die Grenzen des oben erwähnten Konsens einer klaren Abgrenzung nach rechts und schafft damit für seine aktuelle Partei die Möglichkeit herauszufinden wie weit sie gehen können ohne ihre restlichen demokratisch denkenden und das Grundgesetz schätzenden Wähler und Wählerinnen zu verlieren. Mit dem Grundgesetz wiederum hat auch die Parteivorsitzende der CDU ein Problem. Annegret Kramp-Karrenbauer ist hauptsächlich durch ihre Ausfälle bekannt. Das geht von geschmacklosen menschenverachtenden Karnevalsreden und dem Bezeichnen der Homo-Ehe als Türöffner für Vielehe und Inzucht über das Diffamieren von vermeintlichen Gegnern, wie den Kindern, welche bei „Fridays for Future“ für das Aufnehmen des Problems des Klimawandels in die politische Agenda demonstrieren, vorzuwerfen sie seien Schulschwänzer anstatt auf das eigentliche Problem, also den Klimawandel, einzugehen. Als letzten Höhepunkt hat sie aber nach besagtem Rezo-Video die Meinungsfreiheit vor Wahlen in Frage gestellt. Bei einer Politikerin von diesem Format gehe ich davon aus, jede Rede wird von einem ganzen Team erarbeitet und diese Aussagen sind alles, außer ein Versehen. Hier werden immer häufiger Mechanismen totalitärer und autokratischer Staaten ins Spiel gebracht. Wenn man sich die Ansichten einer Annegret Kramp-Karrenbauer so anschaut hat man den Eindruck, diese Frau will Deutschland in das Mittelalter zurück katapultieren.

 

Die Medien sind zurzeit auch in einem massiven Wandel. Langfristig werden sich Zeitschriften und Zeitungen etwas einfallen lassen müssen, um überhaupt noch rentabel arbeiten zu können, weil sie nicht auf das Internet vorbereitet waren und auch nach über zwanzig Jahren noch kein tragfähiges Konzept jenseits von Bannerwerbung und Paywalls haben. Es war ja schon immer so, dass jede Publikation eine politische Ausrichtung hatte. Die eine Zeitung war mehr links und die andere etwas weiter rechts und die Bild hat einfach geschrieben was ihr die höchste Auflage und damit maximalen Umsatz garantiert hat. Das ist heute nicht anders. Vielmehr verstärkt es sich immer mehr. Die Positionen werden immer extremer, um möglichst viele Exemplare einer Ausgabe zu verkaufen. Auch im Journalismus lassen sich immer mehr Personen und Institutionen vor den rechten Karren spannen. Warum zum Beispiel wird über jede Straftat, die ein Migrant begangen hat, berichtet, wenn diese aber ein Deutscher begangen hat erscheint davon nichts. Genauso wird für jedes vermeintliche Verbrechen spekuliert ob der Täter nicht wieder ein Mann aus dem Nahen Osten gewesen sein könnte obwohl von der Polizei noch keine Angaben zu beteiligten Personen veröffentlicht wurden. Das nennt man Vorverurteilung und Meinungsmache!

 

Damit komme ich zu den Möglichkeiten, die ich beispielhaft für jeden und jede Deutsche habe, mich politisch zu engagieren. Natürlich könnte ich in eine Partei eintreten und dann versuchen Politik in meinem Sinne zu gestalten. Das würde aber bei mir spätestens nach wenigen Monaten in einer gesundheitlichen Katastrophe enden. Somit bleibt mir einerseits immer an den Wahlen teilzunehmen und andererseits mich in meinen Möglichkeiten politisch zu engagieren. Als meine Möglichkeiten sehe ich zum Beispiel Blogbeiträge wie diesen, aber auch entsprechende Engagements als Fotograf und Künstler. 

 

Schon immer habe ich mich klar gegen rechts positioniert und auch schon einige entsprechende fotografische Projekte umgesetzt. In Zukunft wird es aber immer wichtiger immer wieder zu zeigen Deutschland und die Mehrheit der Deutschen sind weltoffen, empathisch und zur Hilfe bereit. Wir müssen die Menschenverachtung und den Nationalismus klar in die Schranken weisen!

 

Das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald, welches die hier gezeigten Fotos zeigen ist keine 15 Kilometer von meinem Wohnort entfernt. Die Rechten wollen die Zeit des Nationalsozialismus zurück. Ich verweise da immer wieder auf dieses Monument. Ein Monument, welches an einen Massenmord im industriellen Maßstab erinnert. Geschätzte 80 Millionen Tote durch den zweiten Weltkrieg wurden vom AfD-Vorsitzenden Gauland als Vogelschiss der Geschichte bezeichnet.

 

Ich werde nicht aufhören immer wieder an diese Verbrechen an der Menschheit zu erinnern. Ich werde nicht aufhören mich politisch zu engagieren und entsprechende Projekte durchzuführen.

 

Roy Focke

 

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Nachtrag von mir:

 

Ich hatte Roy gefragt ob er Lust/Laune hätte, einen Gastbeitrag zu schreiben. Er bejahte das und so kam dieser Beitrag zustande. Ich habe erst überlegt ob ich ihn überhaupt veröffentlichen sollte. Immerhin hat er inhaltlich fast gar nichts mit dem Thema Fotografie zu tun, wenn man mal von den Fotos absieht.

 

Trotzdem hat mich dieser Beitrag berührt und ich habe mich entschlossen ihn zu veröffentlichen. Ich hoffe auf viele Kommentare, die sachlich und fair sein sollten. Vielen Dank ! 

 

Gruss

 

Holger

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Kommentare: 1
  • #1

    Matthias Weber (Mittwoch, 19 Juni 2019 10:19)

    Dem Beitrag von Roy kann ich so unterschreiben und, ja Holger, es war richtig und wichtig, dass du den Text veröffentlicht hast. Wir müssen jede, noch so kleine, Gelegenheit nutzen, uns gegen Rechts und rechte Gewalt und Meinungsmache zu stellen.
    Danke Roy für deine Zeilen, danke Holger für die Möglichkeit diese hier zu lesen!