Analogfotografie - Die Wiederentdeckung eines guten Gefühls

Ein Gastbeitrag von Joachim Herold | Fotografie

Kennen Sie das auch? Es ist schon eine ganze Weile her. Meinen ersten eigenen Fotoapparat habe ich zum Schulanfang bekommen. Eine einfache Plastik-Knipse (Beirette SL 100) wo man eigentlich nichts weiter einstellen konnte. Man drückte halt drauf und hoffte auf ein Bild...

 

Wie das ganze fotografieren wirklich funktionierte, das habe ich erst viel später gelernt. Nämlich mit der Kamera meines Vaters, einer Spiegelreflex Model MTL 3 von Praktika. Aber das Auslösegeräusch und das Aufziehgeräusch beim Film weiter spulen, das hat sich sofort bei mir tief eingegraben. Nach rund 16 Jahren Analogkamera-Abstinenz, besitze ich nun seit Juni 2018 wieder eine Filmkamera und das kam so: 

 

Als ich 2016 von Sony auf das Nikon-Kamera-System gewechselt habe, gab es zwei Möglichkeiten bei der Wahl der Objektive. Entweder ich nehme die neuen Objektive, die einen Stabilisator und KEINEN Blendenring mehr haben, oder ich nehme die gerade noch aktuellen ohne Stabilisator, dafür aber MIT Blendenring um damit auch analog fotografieren zu können. Das hat den großen Vorteil, das ich alles nur einmal kaufen muss und auch unterwegs ist es nur das halbe Gewicht zu tragen hab. 

 

Über den Stabilisator lässt sich insofern streiten, als das durch die Verbesserung der Iso-Empfindlichkeit der Sensoren in den Kameras, sich auch die Auslösezeiten verkürzen lassen und man somit auch nicht zwingend auf einen Stabilisator angewiesen ist. 

 

Also war der Grundstein für das analoge Fotografieren wieder gelegt. Und als dann im Mai diesen Jahres der Dozent und Fotograf Rüdiger Schestag in einem seiner Videos den Umgang mit einer NIKON FM erklärte, da war es geschehen. Da war es wieder, das Geräusch des Auslösens! 

 

Ich habe dann durch Zufall im Netz eine gut erhaltene gebrauchte Nikon FE 2 gefunden, die nur wenige Jahre nach mir das Licht der Kamerawelt erblickte. Sie war von ihrer Besitzerin immer gut behandelt worden und hatte dann einige Jahre unbenutzt im Schrank gelegen. Das tut der Mechanik meistens nicht so gut, weil durch das fehlende Bewegen die nötige Schmierung nicht stattfindet und alles schwergängiger wird und somit z.B. die Belichtungszeiten nicht mehr stimmen, oder die Kamera sich nicht mehr auslösen lässt. Aber nach einem kurzen Besuch beim Service ist sie nun wieder voll funktionsfähig.

 

 

Mit einem Agfa APX 100 Schwarzweiß-Film war ich nun im Juli unterwegs und habe am mittleren Neckar um Gundelsheim fotografiert. Was für eine Freude, was für ein wunderbares Gefühl, wieder eine analoge Kamera in der Hand zu halten. Ich habe es wirklich vermisst!

 

 

Diese ersten Bilder können sich doch nach dem Entwickeln sehen lassen, oder?

 

Und dann ist da noch ein wichtiger Aspekt der Analogfotografie: Das Auskomponieren des Bildausschnittes, die Beschränkung auf 36 Aufnahmen pro Film und das ich das Ergebnis nicht sofort sehen kann, zwingt mich zur Ruhe, zur Konzentration und auf mich selbst. Das hat etwas wunderbar meditatives, mehr als nur ein gutes Gefühl!

 

Joachim Herold

 

web: www.joachimherold.com

 

mail: info@joachimherold.com

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Stefanie Müller (Montag, 24 September 2018 07:37)

    Schöne Fotos! Gute Arbeit, Joachim!