Das fotografische Wort zum Sonntag: "Gut vorbereitet heißt nicht, dass ein Shooting auch gut wird!

Tach zusammen.

 

Das heutige, fotografische Wort zum Sonntag, handelt von den Tagen, die man zwar gut geplant hat, aber am Ende ist es doch anders gekommen. Hier ein kleines persönliches Beispiel:

 

Ich hatte am vergangenen Freitag einen Shootingtermin. Es ging um mein Fotoprojekt das jetzt seit einigen Wochen am Laufen ist. Einen Künstler bei der Arbeit fotografisch festzuhalten, das ist die Aufgabe die ich mir gestellt hatte. Einige Bilder habe ich schon mit der Olympus gemacht, als mir eine neue Idee kam.

 

Warum nicht einen Künstler bei seiner analogen Arbeit mit einer, oder mehreren analogen Kameras ablichten?

Gesagt getan. Da ich hier daheim nur die russische Zorki 4 besitze, ich aber gerne die Aufnahmen im Mittelformat machen wollte, habe ich mal rumgefragt, ob jemand mir was bereit stellen könnte. Ergebnis war eine doppeläugige Zeiss Ikon, die ich wenige Tage vor dem Shooting zugesandt bekommen habe. Die Kamera habe ich soweit es mir möglich war gecheckt und am Abend vor dem besagten Shooting mit dem ersten Rollfilm geladen.

 

Dann kam der Freitag. Neben meiner Olympus, war die Zorki 4 und jetzt die Zeiss Ikon mit von der Partie. Ausserdem hatte ich noch zwei günstige Dauerlicht Softboxen gekauft, um den Raum, in dem das Shooting stattfindet, für die analogen Kameras gut ausgeleuchtet ist.

 

Also alles aufgebaut und los ging es. 

 

Foto eins, fertig. Foto zwei, fertig, Foto drei….Die Zeiss Ikon stoppte beim Spannes vom Film nicht mehr. Kamera beiseite gelegt und einige Bilder stattdessen mit der Zorki gemacht bis der Film voll war. Doch im Gegensatz zu der Zeiss, hatte ich hier keine weiteren Ersatzfilme dabei. Also noch mal die Zeiss in die Hände genommen. Habe ausgelöst und versucht bis zum Foto Nummer vier den Film zu transportieren. Doch das reguläre spannen war nicht mehr möglich. Ich habe dann nach gut Glück weiter versucht, bis die 12 Aufnahmen im Kasten waren (oder auch nicht).

 

Für diese Kamera hatte ich aber noch 4 Ersatzfilme dabei. Also Film raus und neuen Film rein. Das war es aber auch schon. Die Kamera verweigerte jetzt das vorspulen komplett und ich konnte keinen den Film nicht transportieren.  Sie verweigerte ihren Dienst total. Ich war verärgert, sehr sogar! Alles war so schön geplant, alles war bereit, beste Vorraussetzungen für ein tolles Shooting und jetzt das.

 

 

Ich habe dann noch einige Bilder mit der Olympus gemacht, aber eher lustlos und so brach ich diesen Shootingtermin ab. Alles zusammen gepackt und nach Hause gefahren. Die Kameras habe ich die Ecke „geschmissen“ und sie seitdem nicht mehr angeschaut. Es hätte so schön werden können.

 

Heute am Sonntag, wo ich über diesen Vorfall schreibe, haben sich die Wogen der Enttäuschung etwas gelegt. Ich werde in den nächsten Tagen mir mal die Zeiss genauer ansehen und versuchen zu erkennen, woher das Problem kommt. Es war schon fast erschreckend wie emotional ich da reagiert habe. Man muss sagen das dieses Shooting ich jeder Zeit wiederholen kann, also es war keine einzelne Chance die ich verpasst habe. 

 

Es ist wie es ist und wie im richtigen Leben werde ich mich für den nächsten Termin wieder gut vorbereiten. Ob mit analoger Mittelformatkamera, oder nicht. 

 

Wie sieht es bei euch aus, ich könnte mir vorstellen das dem einen oder anderen es schon mal ähnlich ergangen ist. Wie habt ihr das erlebt/empfunden?

 

Bin auf eure Geschichten gespannt.

 

In diesem Sinne, euch allen immer ausreichend Licht vor der Linse und funktionierendes Equipment! 

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Kommentare: 6
  • #1

    Andy G. (Sonntag, 10 März 2019 10:34)

    Ich kann deine Frustration voll verstehen. Es war aber - wenn du ehrlich bist - ein gewagtes Experiment und als Solches würde ich es auch laufen lassen.

    Wenn ich ein Shooting plane, dessen Ergebnis mir wirklich wichtig ist, habe ich ausschließlich Technik dabei, die ich in-und-auswendig kenne. Nachdem ich selber Einsteiger in der Analogfotografie bin, weiß ich, was alles schief gehen kann. Natürlich habe ich auch meine analogen Schätzchen in Griffweite und verwende sie auch - aber eine fremde Kamera, bei der ich nicht mindestens einen Film belichtet und entwickeln lassen habe, würde ich nicht für etwas Wichtiges verwenden.

    Ich selbst habe bei meiner Yashica Mat 124 G erst einen Youtube-Beitrag gebraucht, um zu verstehen, dass "rückwärts kurbeln" erst den Verschluss spannt.

    Also, Kopf hoch, Kamera mit dem versauten Film auf mechanische Funktion testen, dann ein paar Filme durchjagen und Shooting auf Anfang ;-)

  • #2

    Holger (Sonntag, 10 März 2019 10:42)

    @Andy G.

    Ich habe es unter Erfahrungswert verbucht und lasse mich sicher dadurch nicht aufhalten. Gebe dir schon Recht, hätte mich vorher damit besser auseinandersetzen können. O.K. ein paar YouTube-Videos zu der Zeiss habe ich mir schon angesehen, aber das ist eben nicht alles.

    :-)

  • #3

    Andy G. (Sonntag, 10 März 2019 10:48)

    Hast Du die Zeiten von der Zeiss nachgemessen? Nicht, dass es hier auch noch Probleme gibt?

  • #4

    Heiko Kanzler (Sonntag, 10 März 2019 11:00)

    Einen wundschönen Sonntagmorgen, lieber Holger.

    Wie sehr kann ich Deinen Frust nachvollziehen. Wobei ich in den Jahren eines gelernt habe: wenn etwas neues ins Spiel kommt, z.B. ein Stück neue Technik oder ein komplett neue Sujet, dann wird vorher etwas geübt bevor es zum "echten" Shooting geht. Das mindert Aufregung, Frust und Anspannung und kommt dem Bild zugute. Gerade in der Menschenfotografie springt die eigene Anspannung gern auf das Motiv über und am Ende läuft man Gefahr das alle frustriert sind.

    Ich erinnere mich da nur ungern an meinen ersten Ausflug in die Personenfotografie mit LED-Dauerlicht. Ich liebe ja farbiges Licht und habe Dutzende, wenn nicht hunderte, farbige Folien für meine Blitze. Dann sah ich dieses tolle Tutorial mit RGB LED Lichtern und war hin und weg. So etwas wollte ich auch!

    Lange gegoogelt und bei einem asiatischen Versandhändler diese RGB LED Lichter preiswert erstanden. Model "gebucht" und dann auf den Shootingtermin gewartet. Ach ja, das war meine erste Bestellung aus Asien. Wie kann ich auch ahnen das so eine Lieferung Wochen dauern kann? Der Termin rückt also immer näher und keine Lichter da. Ich wollte das Shooting schon verschieben, da klingelt der Postman an der Tür. Heureka! Teile ausgepackt, kurz drüber geschaut (nur zwei Taster und ein Drehregler, was kann da schon schiefgehen?) und den kommenden Samstag herbeigesehnt.

    Lange Geschichte, kurzer Sinn: es war ein Desaster! Die RGB Farben unterscheiden sich vollständig von meinen Folien, gerade Rot und Blautöne sind viel zu heftig, subtiles Licht mir war überhaupt nicht möglich und auch die Belichtung mit Dauerlicht war für mich Blitzer ein Albtraum! Das Model, meine liebe Freundin Mandy, nahm es gelassen und schmunzelte auch über das ein oder andere Horrorfoto und wir kamen überein das Shooting als Test zu sehen und es noch ein weiteres Mal zu versuchen.

    In diesem Sinne: allzeit gut' Licht,
    Heiko Kanzler

  • #5

    Holger (Sonntag, 10 März 2019 11:10)

    @Andy G.

    Zeiten scheinen ok zu sein, muss jetzt erst mal diese "Sperre" finden, warum sie nicht weiter transportiert.

  • #6

    Holger (Sonntag, 10 März 2019 11:13)

    @Heiko Kanzler

    Danke für deinen Beitrag! Beruhigt mich das es anderen auch schon so ergangen ist. :-)

    Wie gesagt, ich verbuche es unter Erfahrungswerte und werde mir da was überlegen, also ob ich überhaupt analog da weiter an dem Projekt rangehe.

    Gruss

    Holger