Fotografie: „Wenn selbst der Tod in Vergessenheit gerät“ ... und einige Gedanken dazu.

Ich liebe alte Friedhöfe. Für mich sind das Orte, an denen ich mich zurück ziehen kann. Zurück ziehen von allem was mich umtriebig macht. Oft setze ich mich dort auf eine Bank und genieße einfach die Ruhe. Die äusserliche Ruhe die auch in meinem Kopf dann langsam ankommt.

 

So sinniere und philosophiere ich über das Leben und den Tod. Nein, bin weder melancholisch, oder habe gerade einen depressiven Schub. Ich fühle mich gut und freue mich über meine kleine Auszeit. Ich schlendere über die Wege zwischen den Gräbern und bleibe bei manchen stehen. Bei denen, die für mich einfach interessant erscheinen. Wie ich die Auswahl erstelle? Einfach nach Gefühl.

 

So war ich vor kurzer Zeit an einem alten jüdischen Friedhof. Diesen kann man nur nach vorheriger Absprache betreten. Aber auch von aussen sind gute Fotos möglich. Er liegt an einem Hang und viele der alten Gräber stehen zwischen Bäumen. Das was ihr hier seht ist das einzige Foto, das ich an diesem Tag, an diesem Ort gemacht habe. Rein fotografisch gibt es da noch unzählige Möglichkeiten, aber das Fotografieren stand im Hintergrund für mich an diesem Tag.

 

 

Ich war schon einige Male an diesem Friedhof. Auf dem Gelände selber bin ich noch nicht gewesen. Auch den Grabstein dort, hatte ich schon oft im Vorbeigehen gesehen, aber nie bewusst wahrgenommen. Heute war es irgendwie anders. Vielleicht lag es auch einfach nur an dem Licht der Sonne. Diese schien diesen Grabstein besonders hell an, so hatte ich den Eindruck. Ich blieb stehen und sah mir den Grabstein näher an, was man von der Grenzmauer aus natürlich nur bedingt konnte. Aber trotzdem nahm mich diese Szene in ihren Bann. Wie so oft flogen meine Gedanken vom Tag fort und meine ganzes Interesse bestand nur noch darin, diesen Grabstein anzusehen. Ich lehnte mich an die Grenzmauer und lies den Fotorucksack vorsichtig zu Boden. So stand ich wohl einige Zeit. Erkennen konnte ich das nicht an der Uhr am Handgelenk, sondern das sich der Sonnenstand deutlich verändert hatte.

 

Ich nahm meine Kamera und habe ein Bild geschossen,... nur ein Bild! Keine Kontrolle über das Display! Denn das Bild, welches ich im Kopf hatte mit all meinen Gedanken dazu, kann keine Kamera festhalten. Ich fuhr nach Hause und legt die Kamera beiseite. Ich war noch nicht bereit mir diese Aufnahme anzusehen. Zwischenzeitlich kann ich das immer mehr. Ich versuche, wenn es geht, einige Zeit verstreichen zu lassen ,um relativ neutral an die Raw-Datei ranzugehen.

 

Als nun die Zeit kam, sah ich mir die Datei an und oh Wunder, trotz das ich nur eine einzige Aufnahme gemachte hatte, war sie gut geworden. Ich brauchte gar nicht viele Regler drehen um diese Szene besser (nach meinem Verständnis) hervorzuheben.

 

Der Titel zum Bild war schnell gefunden. „Wenn selbst der Tod in Vergessenheit gerät“ passte zu dieser Szene, wie die sprichwörtliche Faust auf´s Auge. So wanderten wieder meine Gradanken zum Thema Leben undTod und meine persönliche Einstellung dazu. Wie einige wissen, bin ich gläubiger Christ und damit dürfte klar sein, dass ich an einem Leben nach dem Tod glaube. Deswegen habe ich auch keine Angst wenn er irgendwann an meiner Tür klopft. Ich habe eher Angst vor der Sterben. Ich hoffe das ich, wenn es soweit ist, loslassen kann. Was aber noch mehr zählt ist das Wissen, um die Endlichkeit des Lebens!

 

Das ist für mich der Schlüsselpunkt, mein Leben neu auszurichten!

 

Ich schaffe es immer mehr, mein Leben wirklich zu geniessen. Das zu tun, wozu ich wirklich Lust habe. Mich von Dingen (auch Personen) zu trennen, die mein Leben eher belasten. Ich versuche derzeit mehr mit anderen Menschen in einem persönlichen Kontakt zu treten. Menschen die für mich interessant sind. Es ist schön zu sehen wie viele interessante Menschen es da draussen gibt. Viele Gemeinsamkeiten, aber auch neue Dinge gibt es zu entdecken. Ich hoffe noch auf viele tolle Begegnungen. Die Fotografie war und ist das Medium für mich geworden, was mir diesen Weg geebnet hat. Ich bin sehr dankbar dafür. Ich freu mich jetzt schon auf die Möglichkeiten, die noch vor vor mir liegen.

 

So jetzt höre ich aber mal langsam auf. Irgendwie war mir heute danach dieses alles aufzuschreiben. Ich hoffe ihr habt bis zum Ende durchgehalten und konntet meinen Gedanken zu diesem Bild folgen. Wenn ja, einfach einen kurzen Kommentar hinterlassen: „Geschafft !“

 

In diesem Sinne bleibt mir gewogen. Die nächsten Projekte sind schon angelaufen und es bleibt spannend.   

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Matthias (Montag, 15 April 2019 11:46)

    Geschafft!
    Das habe ich jetzt von meiner Schreibfaulheit! Mehr Text, als gedacht, aber das tue ich gerne!
    Wieder einmal ein schöner Text, Holger. Bei vielen deiner Gedanken und Beschreibungen bin ich ganz bei dir!