Fotografie: "Rein ins echte Leben!"

Ein Gastbeitrag von Dimo Tabken

 

Die Fotografie ist rein quantitativ seit Jahren auf einem stark ansteigenden Weg. Nie wurden so viele Bilder angefertigt und - ganz wichtig - auf den verschiedensten SocialMedia-Kanälen verbreitet. Instagram, Facebook, 500px ... auf all diesen Plattformen werden wir sekündlich von neuen Bildern erschlagen.

 

Ich möchte nicht falsch verstanden werden: Auch ich bin bei Facebook und bei Instagram aktiv und auch ich freue mich, wenn meine Fotos positive Rückmeldungen bekommen, wenn ich gezeigt bekomme, dass "die Menschen" meine Bilder mögen. 

 

In den vergangenen Monaten hat sich meine Herangehensweise jedoch stark verändert. Ich fotografiere nicht mehr so viel wie zuvor, die Anzahl meiner Bilder hat sich drastisch reduziert. Das liegt zu einem guten Teil daran, dass ich verstärkt mit meiner analogen Mittelformatkamera unterwegs bin und sich die massenhafte Produktion von Bildmaterial nahezu von selbst verbietet. Ich habe mehr Freude daran, meine Bilder langsam und mit Bedacht aufzunehmen und mir die Zeit zu lassen, die das Foto einfordert.

 

Das Fotoprojekt:

 

 

So bin ich auf die Idee der Sechsfachbelichtungen gekommen. Diese Art der Fotografie ist schon ein wenig ... naja ... sagen wir mal "abseitig". Dessen bin ich mir bewusst, aber diese Tatsache bringt aber einen Aspekt ins Spiel, der für mich zunehmend an Bedeutung gewinnt: Die Kommunikation, der Austausch mit anderen Menschen. Dieser Austausch läuft auf der Social-Media-Schiene eher zögerlich und äußert sich im Wesentlichen in der Entgegennahme von virtuell hochgereckten Däumchen. Dies ist mir, ehrlich gesagt, nicht (mehr) genug. Ich möchte mich mit Menschen unterhalten, möchte ihre Meinung hören, ohne dass eine Tastatur und ein Bildschirm dazwischen sind. 

 

Wenn ich mit der Rolleicord in der Münchener Innenstadt unterwegs bin und die Fotos für mein Projekt aufnehme, dann werde ich angesprochen. Immer. Ausnahmslos. Und fast immer sind es ältere Herren, die "früher" auch eine solche Kamera besaßen und sich gerne an die Zeit erinnern. Es waren häufig sehr emotionale, freundliche Gespräche mit wildfremden Menschen.

 

Eine Ausstellung?

 

 

Im letzten Sommer hatte ich kurzen, damals noch leicht oberflächlichen Kontakt zum Betreiber einer Kunstbar im Münchener Osten. Er war auf der Suche nach kreativen Köpfen, die mit ihren Arbeiten für jeweils eine Woche die Wände seiner Bar schmücken wollten. Hörte sich für mich interessant an und wir wir zwei wurden uns schnell einig, dass ich mich bei ihm melden würde, wenn ich eine konkrete Idee für eine Ausstellung hätte.

Im Winter, nachdem ich mein Projekt begonnen hatte, war mir klar, dass ich mit diesen Bildern "in die Öffentlichkeit" wollte. Und so wurde es also konkreter und im März dieses Jahres war es dann so weit.

 

Die Montagsgalerie

 

 

Am 11.03. fuhr ich mittags in die Bar um meine Bilder aufzuhängen. Ja, ich war aufgeregt.

Und zwar bis in die Socken rein. Immerhin würde dies meine erste Ausstellung sein und ich würde erstmals ganz direkt der Resonanz der Betrachter ausgesetzt. Das ist schon eine Hausnummer für einen Amateurfotografen wie mich.

 

Der Abend der Eröffnung, ein Abend der Freude für mich. Viele interessierte Menschen kamen, sich meine Bilder anzusehen. Freunde, Foto-Bekannte, "Follower" (Himmel, was für ein gruseliges Wort!).Der Austausch mit ihnen, die Ansprache von anderen Gästen der Bar. Ich erlebte ehrliches Interesse, kritische Auseinandersetzung mit meinen Arbeiten, durchaus auch Gegenwind. An Intensität waren dieser Abend und die folgende Woche in meiner Wahrnehmung nur schwer zu überbieten.

 

Dieser direkte Austausch, die unmittelbare Kommunikation sind es, die mir wirklich etwas bedeuten. Und so steht für mich beinahe fest, dass ich mir auch zukünftig wieder Möglichkeiten suchen werde, meine Arbeiten abseits von Facebook, Instagram und Co. zu zeigen. Denn das ist das "Echte Leben", das ist die unverfälschte Realität. Und genau das mag ich!

 

 

Jedem von Euch da draußen, der Fotografiert, Malt, Skulpturen erschafft, was auch immer, lege ich wärmstens ans Herz, seine Arbeiten in der realen Öffentlichkeit zu präsentieren. In meinem Gefühl gibt es weniges, das sich "echter" anfühlt.

 

Geht raus!

Stellt Euch vor!

Sprecht mit Menschen!

Es ist so unbeschreiblich beglückend!

 

Dimo Tabken

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Chris (Montag, 13 Mai 2019 10:39)

    Schöner Beitrag, und eine Interessante Ansicht.

  • #2

    Markus Schmitt (Montag, 13 Mai 2019 16:49)

    Moin Dimo,

    eine tolle Serie. Du hast Fotografie neu definiert mit deinem Projekt. Du gehst einfach mal neue Wege. Und das finde ich toll. Es sind Aufnahmen, die einen fesseln. Man schaut länger hin. Gerade auf der Social Media Welt hält bestimmt jeder mal an und bleibt hängen. Und fragt sich. Huch was ist denn da passiert :). Man befasst sich mit deinen Werken. Und zur Kommunikation kann ich dir nur zustimmen. Rausgehen, mit Menschen in Kontakt treten. Dank sozialer Medien habe ich auch viele tolle Kontakte gefunden. Aber wenn es um den Austausch mit der Fotografie geht finde ich nichts schöner als von Angesicht zu Angesicht sich zu sehen und auszutauschen.