Fotografie: Die eigene Komfortzone verlassen.

Am kommenden Donnerstag ist der letzte Abendmarkt in Lahr, an dem man Bilder von mir sehen und mich persönlich treffen kann. Es wird nun Zeit ein wenig darüber nachzudenken. Was hat es mir „gebracht“? Welche Dinge bleiben in der Erinnerung? Wie geht es weiter?

 

Von Juli an war ich auf eine Einladung hin, jeden Donnerstag von 16-22 Uhr, auf dem Abendmarkt in Lahr anzutreffen. Angedacht waren eigentlich nur zwei Termine, aber irgendwie wurde daraus mehr.

 

Ganz zu Anfang hatte ich mehr oder weniger nur Zweifel, ob das „Richtig“ ist und überhaupt, auf einem Markt Fotokunst feilbieten? Wie schaut das denn aus? Kunst und Kommerz? Doch wie sollte ich weiterkommen, wenn ich nie ein Bild verkaufe? Zu Hause stapelten sich langsam die produzierten Meisterwerke von mir und das sollte ja nicht der Sinn sein. Also folgte ich der Einladung und so kam der erste Auftritt auf dem Abendmarkt in Lahr.

 

Nervös versuchte ich meine Bilder optisch ansprechend aufzubauen und danach wartete ich auf die Dinge, die da kommen mögen. Und schon saß ich wieder in (m)einer Komfortzone. Ich wartete darauf, dass ich angesprochen wurde. Ich merkte aber schnell, dass dieses gerade auf so einem Markt nicht Sinn macht. Doch wie sollte ich das Eis brechen und die Menschen, die vor meinen Bildern stehen blieben ansprechen? Da half mir mein kleiner Freund der Teddy.

 

Denn besonders vor den Bildern mit meinem kleinen Freund blieben die Menschen stehen.

So steckte ich ihn in die Brusttasche meines Hemdes und lies ihn etwas herausschauen. Dann ging ich auf die Menschen zu und erklärte ihnen, dass es dem Teddy gut ginge und sie sich keine Sorgen machen mussten. Lächeln und auch Lachen war die Antwort und schon war man im Gespräch. „Wie? Das ist derselbe Bär? Wie haben Sie das denn gemacht?“ Mit der Zeit brauchte ich aber meinen kleinen Freund immer weniger, um auf Menschen zuzugehen und mit ihnen über die Bilder zu sprechen. Eine gewisse Sicherheit kam auf und das fühlte sich sehr gut an.

 

Anfangs war ich noch enttäuscht, wenn ich vom Abendmarkt wieder heimgefahren bin und kein einziges Bild verkauft hatte. Irgendwie war man ja auch deshalb auf diese wöchentliche Veranstaltung gegangen. Doch auch dieses Gefühl verflog bald. Ich meine, ich bin ja nicht der Starfotograf, dem man allein wegen seines Namens die Bilder aus der Hand reißt. Ich konzentrierte mich mehr auf die Menschen, mit denen ich ins Gespräch kam. Diese Gespräche sind mir im Laufe der einzelnen Veranstaltungen mein persönlicher Mehrwert geworden.

 

Doch dann war es soweit. Ich durfte das erste Bild verkaufen. Was neben dem Geld mir aber viel mehr Wert war, war das Gespräch, welches ich mit der Käuferin hatte. Es ging um ein Landschaftsbild, das sie gekauft hatte. Sie erzählte aus ihrer Kindheit und wie diese Aussicht jeden Tag vor Augen hatte und gerade deshalb sich auch dieses Bild kaufen wollte. So kam dieses Bild zu jemanden der damit viele Erinnerungen verband. Was für eine Freude, ihre Freude in den Augen zu sehen.

 

Bei diesem einen Bild ist es nicht geblieben und ich durfte an weiteren Abenden, andere Bilder verkaufen und jedes Mal erfuhr ich durch das Gespräch den Hintergrund, warum gerade das jeweilige Bild für die Menschen so interessant/wichtig war. Jeder bekam natürlich auch eine Visitenkarte und schon kurze Zeit später flatterten Mails bei mir ein, mit Fotos, wo die Käufer die Bilder hingehangen hatten. Ein unbeschreibliches Gefühl!!!

 

Mit dem eingenommenen Geld habe ich immer wieder anderen Fotokunstwerke produzieren lassen, da jedes meiner verkauften Bilder immer ein Einzelstück ist!2 So wurden immer wieder neue Bilder auch von mir auf dem Abendmarkt ausgestellt. Für mich ist es eben wichtiger fotografisch, wie auch künstlerisch, neue Wege zu gehen. Wohin nun mich mein Weg nach dieser Abendmarktgeschichte hinführt ist noch nicht ganz klar, aber ich bin an zwei/drei Ideen dran. Denn ich möchte nicht mehr zurück in meine Komfortzone!

 

 

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Kommentare: 6
  • #1

    Wilfried Humann (Montag, 09 September 2019 09:55)

    Glückwunsch zum Erfolg und zu deinem Mit!

  • #2

    Gustav Huber (Montag, 09 September 2019 16:22)

    "Wie schaut das denn aus? Kunst und Kommerz?"
    Kunst? Kunst kann ich da nicht sehen! Kommerz eher schon! Heute wird der Ausdruck "Kommerz" abwertend im Sinne von, eines allein auf Gewinnerzielung gerichteten Interesses verwendet! Die Bilder waren für meinen Geschmack weder optisch noch ansprechend präsentiert.

  • #3

    Holger (Montag, 09 September 2019 23:57)

    @Wilfried Humann Vielen Dank !

  • #4

    Holger (Dienstag, 10 September 2019 00:00)

    @Gustav Huber Nicht jeder mag meine Bilder und das finde ich völlig ok. Sicher hätte man die Bilder ansprechender aufstellen können, aber dazu fehlten mir ehrlich gesagt die finanziellen Mittel. Wie hättest du sie denn den Publikum präsentiert ?

    Gruss

    Holger

  • #5

    Gustav Huber (Dienstag, 10 September 2019 15:17)

    @Holger: Diese Frage kannst Du dir nur selbst beantworten!

  • #6

    Holger (Dienstag, 10 September 2019 17:09)

    @Gustav Huber

    Schade, ich dachte du hättest da ein paar Tipps.