Darum geht es mir - gute Bilder

Ein Gastbeitrag von Heike Hartmann

Seit Anfang diesen Jahres beteilige ich mich an weeklypic- einem Fotoprojekt, bei dem die Teilnehmer wöchentlich jeweils ein Foto zeigen. Da ich ohnehin sehr viel fotografiere habe ich damit selten ein Problem damit, ein geeignetes Foto zu finden.

 

Etwas kniffeliger sind da schon die Monatsaufgaben. Diese Bilder müssen festgelegten Vorgaben entsprechen. Für Juli lautet die Aufgabe: der Eiserne Fotograf. Jedes Foto soll dazu die drei Begriffe „Traum“ – „verlassen“ – „eine Gasse“ in sich vereinen. Soweit so gut. Die Herausforderung nahm ich an, denn erfahrungsgemäß kommt das Bild bei mir immer kurz vor Schluss.

 

In der letzten Juliwoche war ich nun in Italien. Verlassene Gassen lassen sich dort überall finden. Einzig der Traum stellte mich vor eine echte Aufgabe. Irgendwie wollte da nichts entstehen, obwohl ich mit offenen Augen umhergelaufen bin.

 

In Bussana Vecchia, einem sehr alten Dorf, kam ich nun um eine Ecke und sah die Szene meines Bildes: eine völlig leere Gasse, nur aus einem Fenster wehte ein Stoffstreifen im Windzug heraus - das war der Traum, der mir bisher gefehlt hatte. Ich machte eine Reihe von Bildern und war zufrieden.

 

Ich hatte zwei Favoriten und entschied mich dann für die Nummer zwei. Eigentlich wäre es nicht mein Bild gewesen. Nur es passte zu der Aufgabe. Und es war nicht schlecht.

 

Auch, wenn es nicht schlecht war, war es keins meiner Favoriten.

 

Aber als ich dieses Bild dann in Fotogruppen auf Facebook teilte, geschah etwas für mich absolut Verwirrendes. Die Anzahl an Reaktionen auf dieses Foto war überwältigend! 

 

Häää? Warum denn das, bitte? Ich hatte schon so viel bessere Bilder geteilt als dieses! 

Weil ich mir das nicht erklären konnte und einfach neugierig war, fragte ich die Mitglieder mal nach den Gründen, warum dieses Bild von so vielen Menschen geliket wird.

 

Ganz erstaunlich war für mich zu erfahren, welche Gedanken dieses Bild bei anderen auslöste.

Ich hörte davon, dass dieses Bild eine Geschichte erzählt, dass Aufbau, Stimmung, Farben, Licht- 

gelungen seien und berühren. Das Bild hat alles damit es auffällt und im Kopf bleibt.

 

Ganz ehrlich - als ich das Bild machte, war ich einfach nur froh es zu haben. Ich wählte meine Perspektive und machte wegen des wehenden Stoffes gleich einige Bilder mehr. Es war heiß, ich war kaputt und habe durch das Display meiner kleinen Canon M3 kaum etwas sehen können. Ich habe mich nicht mal für das beste Foto entschieden, weil dieses letztlich nicht ganz den Vorgaben der Aufgabenstellung entsprach.

Ich habe ein gutes Bild gemacht, weil es den Menschen gefällt und es ihnen etwas sagt.

Bin ich darum eine gute Fotografin? 

 

Ich bin mit vielen meiner Bilder sehr zufrieden und zeige sie sehr gerne. Einige darunter sind besser, sind wirklich gut und finden mehr Beachtung. Dabei stelle ich fest, dass dies oft die Bilder sind, die nicht nach Regeln und durch viel Vorbereitung und unter guten Bedingungen entstehen. Es sind Bilder, die etwas erzählen, eine Atmosphäre aufgreifen und eine Geschichte haben. 

Wenn es mir gelingt, die Bilder dieser Momente zu sehen und festzuhalten, ist das, was ich tue, gut.

 

Heike Hartmann

 

 

Heike Hartmann

 

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