Medikamente gegen Depression, Segen oder Fluch ?

Als Betroffener erlaube ich mir hier mal meine Erfahrungen niederzuschreiben. Angeregt zu diesem Beitrag wurde ich durch die vielen unterschiedlichen Meinungen und Äusserungen in den Foren zum Thema Depression. Gleich vorneweg. Es gibt nicht DAS Medikament gegen Depressionen. Diese Erkrankung ist so unterschiedlich, wie wir Menschen unterschiedlich sind. Sicher gibt es hier und da Überschneidungen, aber grundlegend hat jeder Betroffene seine spezielle Art von Depression.

 

Ich persönlich habe mich lange dagegen gewehrt, Medikament einzunehmen. Die Angst davor, dass sich dadurch meine Persönlichkeit verändern würde, war sehr groß. Doch irgendwann ging es nicht mehr anders. Anfangs nahm ich diese noch unregelmässig. Aber das bringt so viel, als wenn ich gar keine nehme. Die meisten dieser Medikamente entwickeln ihre Leistung erst nach Wochen. Das zu verstehen und zu akzeptieren dauerte Monate bei mir.

 

 

Dann fing ich an die Medis regelmässig zu nehmen … und nichts geschah. Das ist nämlich auch so eine Sache bei der Medikation gegen Depression. Diese brauchen ihre Zeit um die volle Wirkung zu entfalten. Dazu kommt es noch, dass jeder Mensch anders reagiert auf die unterschiedlichen Medikamente die es gibt. Wenn nach ca. 4 keine, oder eine negative Wirkung vorhanden war, musste die Dosis bei mir entweder verändert werden, oder ein neues/weiteres Präparat wurde versucht. Dann wartet man wieder. Denn auch das dauert dann wieder ca. 4 Wochen bis man erkennen kann ob sich was tut oder auch nicht.

 

So kann es Monate/Jahre (!) dauern bis man die passenden Medikamente und die passende Dosis findet. So jedenfalls bei mir. Was aber auch mit etwas Glück nicht so sein muss!

 

Aber nicht jede bei jeder Art von Depression sind Medikamente das Allheilmittel. Denn bei mir reichte es nicht aus einfach ein paar Pillen einzuwerfen und dann war alles wieder gut. Eine jahrelange Gesprächstherapie (läuft heute noch) brachte mich auch weiter, um in dieser Welt wieder etwas Fuss zu fassen. Also gibt es auch Kombinationsmöglichkeiten mit anderen Therapieformen.

 

Was ich als ganz negativen Punkt ansehe ist, wenn in Foren Empfehlungen von Patienten zur Dosierung gegeben werden, oder sogar man aufgefordert wird, die Medikamente erst gar nicht zu nehmen. Sorry Leute, das geht mal gar nicht! Das kann im schlimmsten Fall für den Betroffenen lebensbedrohlich enden!

 

Ach ja, noch etwas zum Thema, dass die Medikamente den Charakter verändern würden. Dem kann ich aus meiner Erfahrung ein klares Nein entgegensetzen! Was ich aber erfahren habe, das die Dosis manchmal falsch war. Beispiel Nachtmedikation. Dort hat es ziemlich lange gedauert bis das richtige Medikament und die passende Dosis gefunden wurde. Entweder kaum bis gar keine Reaktion, oder so heftig das ich am folgenden Tag wie ein Zombie durch die Wohnung lief. Doch dann mit der Zeit (die die man sich nehmen muss) wurde es besser. Diese Krankheit ist nun mal kein Schnupfen oder eine Grippe! 

 

Ich kann also sagen das mir die Medikamente helfen. Der Weg dahin dauerte aber auch seine Zeit die man sich nehmen muss. So, das sind meine Gedanken zu diesem Thema. Was habt ihr erlebt ?

 

P.S. Wichtig: Medikamente ohne ärztlichen Rat wegzulassen, Leute macht das nicht ! Mir ist es 2-3 Mal passiert das ich die Medikation vergessen habe. Das hat sich sofort gerächt. Diese Tage/Nächte waren sehr bedrohlich für mich. Also klärt das vorher ab !

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Anke Seeland (Mittwoch, 25 Oktober 2017 22:43)

    Also ohne Medikamente, Therapie und viel Unterstützung von sehr lieben und fähigen Menschen in meinem Umfeld hätte ich es nicht geschafft. Auch ich teile die Erfahrung, dass sich das Weglassen der Medikamente übelst rächt.