Depression und die persönliche Körperpflege/hygiene

Für Nichtbetroffenen eine komische Zusammenstellung diese Überschrift. Für mich als Mensch, der an Depressionen leidet, ein stetiger Kampf. In den guten Phasen läuft das alles ganz normal. Doch erwischt mich wieder einmal eine depressive Episode, wie in der vergangenen Woche, dann wird alles über den Haufen geworfen.

 

In solche Phasen vernachlässige ich nicht nur Freunde und Bekannte, ich vernachlässige mich selber! Und das auf unterschiedlichste Weise. Nach meinem letzten Blogeintrag habe ich an verschiedenen Reaktionen gemerkt, dass es Aufklärungsbedarf besteht. Heute also möchte ich das Thema Körperpflege/hygiene ein wenig anschneiden, bzw. aus meiner Sicht erzählen.

 

Als mich letzte Woche die Depression ohne Vorwarnung erwischt hat, ging alles ganz schnell. Innerhalb weniger Stunden war alle Kraft und Energie wie von einem Schwarzen Loch verschluckt worden. Ich saß nur rum und kam nicht mehr hoch. Der Tag ging an mir vorüber ohne das ich ihn wirklich wahrgenommen habe. 

Dann abends gleich mal keine Zähne geputzt, oder sonst wie das Bad besucht. Nächster Morgen die gleichen Sachen vom Vortrag angezogen und wieder das Bad nicht eines Blickes gewürdigt. Eigentlich sollte ich duschen … eigentlich. Aber die Depression nahm mir selbst dafür die Kraft. Pelziger Geschmack im Mund wurde durch Kaffee und eine Zigarette runtergespielt. Die Haare (viele sind es nun auch nicht), nun ja, reden wir nicht drüber. Auch dieser Tag ging irgendwann spät in der Nacht zu Ende. Hatte diverse Speisereste in den Zahnzwischenräume. Ich spülte mit einer kalten Tasse Kaffee und schluckte den Mist runter. Tabletten einwerfen und ab ins Bett. Ohne vorher die Tür des Bades zu öffnen.

 

Nächster Morgen. Nächster Tag mit dem Schwarzen Hund, der sich ziemlich verbissen hat bei mir. Wieder dieselben Klamotten angezogen, sie fangen an müffeln, ich fange an zu müffeln. Es stört mich nicht mehr. Habe aufgegeben. Kaffee spült wieder diesen miesen Geschmack in meinem Mund runter, der Tag kann kommen, ist mir egal. Am Abend ist der Geruch, den mein Körper verströmt, auch irgendwie an dem letzten noch Punkt meines Gehirns angekommen. Pillen einnehmen und ab ins Bett. Warum braucht man überhaupt ein Bad? Alles so sinnlos.

 

 

Nächster Tag. Er beginnt wie gewohnt. Immer noch dieselben Sachen die ich anziehe. Der Geruch ist deutlich stärker geworden. Erst mal einen Kaffee und ne Zigarette. An diesem Tag kam, GOTT sei Dank, die Wendung der depressiven Episode. Warum ? Keine Ahnung. So wie sie unerwartet kommt so geht sie auch bei mir. Manchmal schon nach einem Tag, manchmal dauert es ne Woche an und ab und zu auch länger. Ich nehme meinen Körpergeruch deutlich wahr. Ich rieche nicht, ich fange an zu stinken! Am Abend hatte ich dann so viel Energie, das Bad von innen zu sehen und auch Duschen zu gehen. Die Wäsche der vergangenen Tage mit einem Ekel in die Waschmaschine geschmissen.

 

Das Bett wurde abgezogen gelüftet und irgendwie waren die vergangenen Tage etwas mit dem Duschen von mir gewichen. Doch während dieser Episode hatte ich null Energie, keine Kraft die simpelsten Dinge der Körperpflege/hygiene zu machen. Dann geht gar nichts.

 

Viele Betroffenen schämen sich nicht nur wegen ihrer Depression, sondern was diese Krankheit mit ihnen macht. Null Kontrolle, kein Selbstwertgefühl und kein Licht am Horizont. Diese Phasen sind die wahre Hölle für mich und für jeden anderen, der darunter leidet. Aber ich habe auch diese Episode wieder überstanden. Wann die Nächste kommt? Ich weiß es nicht. Aber ich weiß, was ich dann nicht schaffen werde und das macht mir Angst. Ausgeliefert zu sein, ohne eine Hoffnung aus dem Schwarzen Loch selbst raus zu kommen.

 

Doch heute ist ein guter (sauberer) Tag!  

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Kommentare: 2
  • #1

    Brigitte von Wirth (Samstag, 29 April 2017 11:27)

    �������
    ...und ich muss weinen, denn dieser Umstand, mangelnder Hygiene, hält mich immer wieder stark in seinen Klauen gefangen und ja....Ich schäme mich bis zur Ohnmacht, doch es ist mir egal.

  • #2

    Louise (Donnerstag, 12 Oktober 2017 21:16)

    Kenne ich nur zu gut. Zum Zähne putzen zwinge ich mich dann noch, aber es kann durchaus passieren, dass ich mich eine Woche lang nicht dusche und auch keine Haare wasche. Ist mir in diesen Phasen ziemlich egal.