Bitte nehmt Platz in meinem Kopf !

Dort schaut es zwar sehr chaotisch aus, aber ich versuche euch zu erklären warum, das so bei mir ist. Depressionen haben die unterschiedlichsten Auslöser. Bei mir persönlich liegt es an einem Ereignis und wie das nahe Umfeld damit (nicht) umgegangen ist. Es hat mich in einem Alter von ca. 10 Jahren einfach überrollt . Ich möchte noch nicht genauer darauf eingehen, aber dafür euch teilhaben lassen an den Auswirkungen, die dieses Ereignis auf mich ausgeübt hat.

 

 

In den Anfangsmonaten nach dem Ereignis, habe ich mich oft in das Ehebett zu meinem Vater verkrochen. Ich hatte Angst ihn auch noch zu verlieren. Aus heutiger Sicht würde ich sagen, ich wollte sicher gehen, dass er nicht auch plötzlich verschwindet, ohne eine Erklärung. Zum Thema Erklärung, … es gab nie eine! Niemand sprach darüber. So blieb ich im Ungewissen, über Wochen, Monate, Jahre. Ich überlegte was falsch gelaufen war und ob ich was Grobfahrlässiges getan hatte, dass es zu so einer Situation kommen konnte. Doch keiner sprach das Thema je wieder an und so war mein späteres Verhalten, mehr oder weniger, vorprogrammiert.

 

Ich nehme euch heute mit auf die Reise in meine Vergangenheit. Das erste Teilstück dieser Reise sind die ersten zwei Jahre nach den Ereignissen, die mich als 10-11-Jähriger geprägt haben. Bis zu diesem Zeitpunkt kann ich von mir behaupten, dass ich eine glückliche und behütete Kindheit hatte. Doch damit war plötzlich und unerwartet Schluss! Von einem, auf den anderen Tag, ohne Vorwarnung! Wie sollte ich als Kind darauf reagieren? Ich tat dieses auf meine Weise.

 

In der Schule war ich bis dahin ein relativ guter Schüler. Doch die Ereignisse warfen mich so aus der Bahn, dass ich mich zu nichts mehr motivieren konnte. Notentechnisch fiel ich bei den meisten Fächern ins Bodenlose. Ich streikte bei dem Begriff Hausaufgaben, oder der Mitarbeit im Unterricht. Sich von der Schule fernhalten und in der Stadt rumschleichen gehörte auch dazu. Eine Reaktion mit der ich auf meine Situation aufmerksam machen wollte. Ich wurde eine traurige Berühmtheit mit den höchsten negativen Eintragungen an dieser Schule. Doch weil das Thema der Ereignisse nicht nur nie erklärt, sondern zu einem ein Tabuthema wurde, entwickelte ich weitere Strategien.

 

Ich wurde aggressiv. Mir wurde in dieser Zeit ein großer Jähzorn nachgesagt. Doch keiner sah es, warum ich das machte. Keiner wollte sich damit näher beschäftigen. Weil die meisten Menschen im näheren Umfeld es eigentlich wussten, warum ich mich so verändert hatte. Ich war auf einem Weg der Selbstzerstörung. Freunde von damals mieden mich. Ich war in den Pausen alleine auf dem Schulhof. Ich suchte aber die Konfrontation! Selbst mit Schülern, die einige Jahre älter waren, fing ich Streit an. Mich konnte nichts aufhalten. Ich wurde zu einem Schlägertyp. Selbst die älteren Schüler versuchten mir auszuweichen, denn irgendetwas sagte ihnen, dass ich völlig unberechenbar geworden war.

 

Einige der älteren Schüler hatten zwischenzeitlich sogar Messer dabei, um sich gegen meine plötzlichen Attacken zur Wehr zu setzte. Aber sie ahnten nicht, wie weit mein selbstzerstörerischer Trieb mich führen würde. Wenn ich also wirklich mit einem Messer bedroht wurde, wich ich nämlich nicht aus, sondern ging auf die Person zu. Ich sah dem Gegner dabei immer in die Augen und sagte nur noch: „Stich doch zu!“ Mein Blick zeigte den Besitzer des Messers schnell, dass ich es ernst meinte und ich keine Angst zeigte. Sie nannten mich dann nur noch verrückt und suchten das Weite.

 

Mein Weg führte mich in fast jede Schlägerei, auch außerhalb der Schule. Meine Brutalität und mein Jähzorn wurden schnell bekannt und ich hatte bald einen Ruhm erlangt der mich sogar bestärkte so weiter zu machen. Ich schaffte es zum Beispiel mit einem gezielten Schlag direkt in das Gesicht eines älteren Schüler, dass dieser eine gebrochene Nase hatte. Die Brille die er trug wurde genau in der Mitte zerteilt. Nein ich nahm auch bei Brillenträgern keine Rücksicht. An die Konsequenzen dachte ich zu keiner Zeit. Ich war eiskalt bei jeder Prügelei. Mit gezielten Schlägen konnte ich fast alle Gegner platt machen.

 

Konsequenzen, dadurch hatte ich eigentlich nur wenige. Den Personen, denen ich Schaden zugefügt hatte, sagten meistens ihren Eltern und Lehrern sie wären gefallen, oder gestürzt. Aus Angst vor einem Racheangriff von mir. Zu Hause bekam ich zwar Ärger wegen der nicht gemachter Hausaufgaben, den schlechten Noten und wiederholter Schulschwänzerei. Aber das war nicht wirklich ein Problem für mich. Das eigentlich Problem war, dass keiner fragte warum ich mich so verändert hatte. Das Stillschweigen zu dem auslösenden Ereignis schaffte es, dass ich die 5. Schulklasse wiederholen musste.

 

Das war aber erst der Anfang!   

 

... Fortsetzung folgt!

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Kommentare: 3
  • #1

    Roland B. (Montag, 27 März 2017 18:23)

    Hallo Holger,
    find' ich sehr gut, wie du die Probleme der Vergangenheit schilderst!!
    Hoffe, dass du mittlerweile durch dein Hobby 'fotografieren' und dein Enkelkind wieder neue Energie und Spaß am Leben bekommst!! Nicht Aufgeben, habe auch eine schwierige Kindheit gehabt, aber mir hat der Verein und Sport allgemein unheimlich geholfen!
    Bis bald
    Roland

  • #2

    Holger (Dienstag, 28 März 2017 19:37)

    @Roland B.

    Vielen lieben Dank für deinen Kommentar !!! Ich versuche mit der Krankheit zu leben, dass ist dann weniger anstrengend, als immer dagegen anzukämpfen. Nimmt dieser dann auch etwas den Schrecken und die Panik wenn es mal wieder bergab geht.

  • #3

    Frances (Donnerstag, 14 September 2017 03:23)

    Ich bin super beeindruckt von deiner Schilderung. Danke.