Der letzte Gedanke

 

Herr Hoffmann sitzt am Fenster und schaut nach draussen. Er ist schon einige Zeit nicht mehr vor der Tür gewesen. Die Beine machen nicht mehr so mit und die Treppen nach unten zur Haustür sind nur unter Schmerzen zu überwinden. Er schaut nach draussen, wo er nur noch ein kleines Stück von dem Leben dort einsehen kann.

 

 

Seine Frau ist schon vor einigen Jahren gestorben. Sie hatte Krebs. Die letzten Monate mit ihr und zu sehen wie sie immer mehr verfällt, waren eine Zeit die ihre Spuren bei ihm hinterlassen haben. Die gemeinsamen Kinder sind schon lange aus dem Haus. Sie haben ihre eigenen Familien gegründet und kommen nur noch selten zu Besuch. Vielleicht mal an Weihnachten. Wobei das in den letzten zwei Jahren auch abgesagt wurde. Der Pflegedienst war der einzige konstante Besuch, den er noch bekam.

 

 

Herr Hoffmann schaut nach draussen und fängt an zu lächeln. Er denkt an die Zeit mit seiner Frau, wo die Kinder noch nicht auf der Welt waren. Sie waren damals richtig ruhelos und sind öfters umgezogen als der alte Personalausweis Eintragungsfelder besaß. In der Zeit als die Kinder noch klein waren wurden sie etwas bodenständiger. Nur noch ein großer Umzug hatten sie dann noch. Fast quer durch die Republik sind sie vom Norden in den Süden gezogen. Ein großes Abenteuer war das damals.

 

Es wird langsam dunkel und er geht vorsichtig mit seinem Rollator in die Küche. Da steht noch ein Rest von heute Mittag. Das hatte der nette junge Mann von „Essen auf Räder“ ihm gebracht. Seinen Namen hatte er schon wieder vergessen. Wann er zum letzten mal den Herd angemacht hatte, wusste er auch nicht mehr. Er nimmt diesen Rest, packt ihn auf den Rollator und schiebt ihn vorsichtig in Richtung Wohnzimmer. „Eigentlich bin ich jetzt auch Essen auf Räder“ und er schmunzelte bei diesem Gedanken.

 

Er wird wohl wie fast immer auf der Couch später schlafen. Das große Bett und er allein da drin, das gefällt ihm nicht. Seine Frau fehlt ihm. Doch er lächelt leise in sich hinein. Ich habe ein gutes Leben gehabt, denkt er sich. Mit Höhen und auch sehr dunklen Tiefen. Doch er ist mit seinem Leben zufrieden. Fast 56 Jahre hatte er seine Frau an seiner Seite. Die Kinder sind groß, gesund und gehen ihren eigenen Weg. Was gut so ist. Als er das Licht später löschte, dachte er noch kurz daran, dass er vielleicht bald seine Ehefrau im Himmel wiedersehen würde. Bei dem Gedanken lächelte er wieder und schlief ein.

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Kommentare: 2
  • #1

    Lanaphilia (Montag, 17 Oktober 2016 20:56)

    Hallo Holger,

    die Geschichte ist schön und spiegelt die Todessehnsucht und Einsamkeit des Mannes. Vielleicht magst Du ihm einen Namen geben? Herr Meier klingt persönlicher als der ältere Mann.

    Die Interpunktion ist nicht ganz sicher und mit den Tempi mußt Du aufpassen, Du beginnst im Präsens und endest in der Vergangenheit. Und Du verwendest sehr inflationär das Wort Zeit. Vielleixht mal Alternativen überlegen.

    Soviel auf die Schnelle. Inhaltlich schön, handwerklich noch etwas Arbeit.... LG Lanaphilia

  • #2

    Holger (Montag, 17 Oktober 2016 21:18)

    @Lanaphilia

    Vielen Dank für deinen konstruktiven Kommentar !