Depression: Licht und Schatten von Selbsthilfegruppen in Sozialen Netzwerken

 

Ich habe Depressionen und versuche damit irgendwie klar zu kommen. Neben Gesprächstherapie und Medikamenten, bin ich auch in der einen oder anderen Selbsthilfegruppe unterwegs. Dabei sind mir folgende positiven und auch negativen Punkte durch den Kopf gegangen.

 

 

Als positiv möchte ich gleich sagen, in diesen Foren wird man mit seiner Krankheit akzeptiert. Dinge die im normalen privaten Umfeld kaum, bis gar nicht ausgesprochen werden, können hier gesagt werden. Man wird verstanden und muss nicht das ganze Krankheitsbild gleich fachlich, erklärend, darlegen.

 

 

Im gleichen Atemzug bin ich aber teilweise erschrocken, wenn Patienten die in diesen Foren sind, Medikamentenvorschläge machen. Sorry, das geht meiner Meinung nach gar nicht. Jede Depression ist einzigartig und bedarf einer jeweiligen Behandlung. DAS Medikament, das eine Depression heilt, gibt es nicht! Grundlegend rate ich persönlich immer sich um fachliche Hilfe zu bemühen, nicht mehr, oder weniger.

 

Durch das Anfangs erwähnte „verstanden werden“, vertieft sich das Verlangen mehr zu erzählen. Von sich und seiner Erkrankung und wie es einem dabei geht. Für andere Menschen in dieser Gruppe können solche, teilweise sehr erschütternden Berichte dazu führen, dass ihre eigene Erkrankung sich verstärkt. In Fachkreisen nennt sich das „Triggern“.  

 

Unter Triggern versteht man Eindrücke, die Erinnerungen an alte Erfahrungen aufwecken, als ob diese Erfahrung jetzt nochmal neu gemacht werden würde. Diese Erinnerungen erfolgen meist plötzlich und mit großer Wucht. Die ehemaligen Gefühle werden unmittelbar wirklich erlebt (ein sogenannter Flashback). Die reale aktuelle Situation kann dann vom Betroffenen teilweise nicht mehr wahrgenommen werden. Es kann dabei soweit kommen, als würde sich der Patient in der alten, erinnerten Situation wirklich befinden. Dabei kann das Triggern auch zeitlich versetzt passieren.

 

Deswegen sollten wir Menschen mit Depressionen, in geschlossenen Gruppen in den Sozialen Netzwerken, auch verantwortungsvoll mit den anderen Gruppenmitglieder umgehen.

 

Grundlegend kann man sich über solche Gruppen sehr gut Infos über die Möglichkeiten einer fachlichen Beratung/Behandlung holen. Das wäre für mich der beste Weg. Wenn dabei Schwierigkeiten z.B. mit der Krankenkasse entstehen, können weitere Tipps gegeben werden, damit ein Patient z.B. doch einen Therapieplatz erhält. Oder wie das aussieht, wenn man sich gegenüber dem Arbeitgeber erklären muss, wenn man für mehrere Wochen, vielleicht sogar Monate, nicht mehr am Arbeitsplatz ist. 

 

Selbsthilfegruppen, ich beziehe mich hier nur auf diese in den Sozialen Netzwerken, können einem helfen, aber auch nur begrenzt, das muss jedem klar sein. 

 

 

Das sind nur ein paar Gedanken, die mir in den letzten Tagen durch den Kopf gegangen sind. Gerne dürft ihr mir eure Meinung und Erfahrung dazu schreiben.

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