Was ist Depression ? Der amateurhafte Versuch einer Analyse (Teil 1).

 

Mit diesem Text möchte ich meine Gedanke zum Thema Depressionen niederschreiben. Ich erhebe nicht den Anspruch auf eine fachliche Kompetenz. Was mir wichtig ist, dass diese Krankheit (ja es ist eine Krankheit!) nicht weiter ein Tabuthema bleibt! Deswegen versuche ich es auf diesem Wege andern Betroffenen zu sagen: „Versteckt euch nicht!“ Doch nun zum eigentliche Text.

 

 

Ich bin krank! Ich bin krank und habe nicht nur einen Stimmungsschwankung! Es ist mir nicht damit geholfen zu sagen: „Ich kenne das, ich war auch schon mal schlecht drauf.“ Es sind wohl die wenigsten die jemanden mit einer Krebserkrankung sagen, „Ich kenne das, ich hatte auch mal eine Entzündung.“

 

 

Depression ist eine heimtückische Krankheit. Sie bringt einen dazu sich selbst soweit in Frage zu stellen, ob sich das Leben noch lohnt. Die Gefahr eines Suizid schwingt immer mehr, oder weniger mit. Je nach Krankheitsgrad und Persönlichkeit, kann das für einen Patienten der letzte „Ausweg“ sein.

 

Das Gemeine an der Krankheit ist, man kann sie so wie herkömmliche Krankheiten nicht eindeutig bestimmen. Ein Knochenbruch kann man am Röntgengerät feststellen und mit einem Gipsverband Heilung verschaffen. Das ist klar zu sehen, gerade auch vom Umfeld des Patienten. Da ist ein Verband, da ist ein Gips, da ist ein Röntgenbild. Alles ist klar und verständlich.

 

Eine Depression kommt schleichend und ist sehr heimtückisch. Der Patient weiß am Anfang oft selber nicht das er daran erkrankt ist. Wenn er es bemerkt, ist die Depression meistens schon so weit vorgeschritten, dass man ohne fachliche Hilfe keine Chance hat, aus dieser Spirale einen Weg für sich zu finden. 

 

Anfangs sind da die Schlafstörungen, … nur ab und zu. Da sind diese Tage, in der man antriebslos die Stunden an sich vorüber streichen lässt. „Ist halt heute nicht mein Tag“ versucht man sich das zu erklären. Doch aus ab und zu werden diese Schlafstörungen immer mehr und auch diese antriebslosen Tage tauchen häufiger auf.

 

„Jetzt reiß dich mal zusammen!“ sagt man sich selber und wird auch vom Umfeld einem an den Kopf geworfen. Doch das Loch in dem man steckt, hat keine Leiter die ans Licht führt. Man hat selber eine Schaufel in der Hand und gräbt sich weiter in diesem dunklen Loch nach unten.

 

Man nimmt sich Dinge vor für den neuen Tag und muss am Ende des Tages erkennen, man hat nichts davon geschafft. Man schaut nicht mehr in den Spiegel, denn das was einen da anschaut gefällt einem nicht. Die Depression übernimmt das Leben, alles um einen herum hat keinen Sinn mehr. Ziellos treibt man durch den Tag und ist Nachts wach und fragt sich: „Für was bin ich eigentlich noch gut, ausser den anderen Menschen den Sauerstoff zu rauben?“

 

Das Umfeld versteht nicht was mit dir los ist. Wie auch? Du verstehst dich ja selber nicht. Es gibt kein Röntgenbild von deiner kranken Seele, das man vorlegen kann, um die Krankheit zu erklären und zu bestätigen. Denn das ist oft das Problem, auf der einen Seite sich selber einzugestehen krank zu sein und auf der anderen Seite dieses dem persönlichen Umfeld zu erklären.

 

Depression ist keine Willensentscheidung! Es ist eine Krankheit die meinen freien Willen nicht mehr zulässt. Ich sitze zu Hause und habe noch einige Dinge zu erledigen. Nichts wichtiges, Müll runter bringen, ein Telefonat führen, vielleicht ein paar Sachen einkaufen. Doch die Depression hält mich fest an diesem Stuhl, auf dem ich gerade sitze. Ich schaffe es nicht auch nur eines dieser Dinge zu erledigen. Und am Abend werfe ich mir vor, „Na du, wieder mal nichts auf die Reihe gebracht?“

 

Man zieht sich immer weiter in das Schneckenhaus zurück und sitzt am hellen Tage in einer dunklen Wolke, oder einem dichten Nebel, der nichts an einen rankommen lässt. Selbst der Sex und die Liebe zu deinem Partner schwindet. Alles verliert seinen Reiz. Wann hat man zuletzt wirklich aus vollem Herzen gelacht und es nicht nur wegen den Freunden vorgespielt? Nichts interessiert einen noch. Gefühle wie Freude oder Glück verschwinden in der dunklen Wolke, die einen umgibt.

 

Ende von Teil 1

 

An dieser Stelle möchte ich eine Pause einlegen. Wenn ich sehe wie viel ich bis jetzt geschrieben habe (innerhalb von einer Stunde!), glaube ich sowieso kaum, dass es jemand bis zum Schluss liest. Doch mir tut es gut das ich es gesagt/geschrieben habe.

 

Was ich als Schlusswort noch sagen möchte an alle Betroffenen: Holt euch fachliche Hilfe! Es gibt Möglichkeiten wie man diese Krankheit in den Griff bekommen kann. Ich sage nicht, dass es eine komplette Heilung gibt. Aber es gibt die Chance, auch mit dieser Krankheit wieder richtig leben zu können. Darüber spreche/schreibe ich hoffentlich bald im 2. Teil meiner „Analyse“.

 

 

In diesem Sinne, bleibt mir gewogen.

 

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Kommentare: 9
  • #1

    Jörg (Mittwoch, 14 September 2016 19:58)

    Lieber Holger,

    da meine liebe Frau seit vielen Jahren damit kämpft und sehr lange gebraucht hat sich professionell helfen zu lassen, weiß ich nur zu gut wie schwer es fällt soweit zu kommen, wie Du es scheinbar geschafft hast und diese wirklich 'linke' Krankheit so klar zu beschreiben. Das ist Dir grandios gelungen und Du hast sehr einfache, aber sehr treffende Worte gefunden. Da ich viel über diese Krankheit gelesen habe, weiß ich Deine offene Art damit umzugehen, gepaart mit dem Ziel,die Depressionem aus der Tabu-Szene zu holen, sehr zu schätzen. Ich Danke Dir und wünsche Dir auch weiterhin viel Geduld mit Dir selbst, denn das ist m.E. der wichtigste Grundstein für ein glückliches Leben, trotz dieser Krankheit. Ich sage herzlich Danke!

  • #2

    Holger (Mittwoch, 14 September 2016 20:18)

    @Jörg

    Vielen Dank für deinen Kommentar !

  • #3

    Petra (Donnerstag, 09 März 2017 11:02)

    Hallo lieber Holger!
    Danke für diesen Beitrag! Nur wenn wir versuchen, so viel wie möglich über diese Krankheit zu veröffentlichen und damit Aufklärung zu betreiben, kann sich etwas ändern!

    Wenn Du magst, schau mal hier vorbei:
    http://www.ein-buch-auf-bali.de/eure-blogroll/

    Ich sammle ab sofort auf meinem Blog gute Beiträge zum Thema.
    Und vielleicht magst Du generell mal bei mir vorbei schauen?

    Ich wünsche dir viele Menschen mit viel Verständnis!
    Besten Gruß
    Petra

  • #4

    Daniel Wagner (Donnerstag, 09 März 2017 11:43)

    Danke Holger, der Text ist gut, vom Anfang bis Ende unterschreibe ich diesen. Du triffst den Nagel auf den Punkt mit deiner Analyse.
    Danke

  • #5

    Sandra (Donnerstag, 09 März 2017 12:12)

    Lieber Holger, vielen lieben Dank für die klaren Worte.Ich schließe mich dem an du triffst den Nagel auf den Punkt.
    Ich leide seit 28 Jahren an dieser Krankheit und habe erst seit kurzem einen Weg gefunden wie ich mit ihr Klar komme.
    Ich sehe meine Krankheit nicht mehr als Feind sondern als etwas das zu mir gehört. Für mich ist es so leichter damit klar zukommen. Wenn ich unten bin gefangen in meiner Welt dann ist es gut so .Klingt vielleicht jetzt blöd und ist schwer nachzuvollziehen. Es ist ein Zeichen meines Körpers meiner Seele eine Auszeit von dem Kreislauf zu nehmen und bei mir zu sein. Wenn ich gewisse Dinge nicht schaffe zu erledigen sehe ich es mehr oder weniger gelassen an . Es ist halt so und wenn ich mir vorwurfe mache wird es nicht besser sondern eher schlimmer. Ich wünsche allen viel Kraft und wahre Freunde die einem in dieser Situation beistehen.
    Ganz liebe Grüße an alle
    Sandra

  • #6

    Gerd (Freitag, 14 April 2017 17:40)

    So schreibt nur einer, der wirklich weiß, was los ist. Mach weiter. Dir wird es leichter und uns geholfen. Mir fehlen immer die richtigen Worte, mein Leiden zu erklären. ;)

  • #7

    Rita (Freitag, 14 April 2017 20:41)

    Danke dir ganz lieb für diesen Beitrag! Ich hoffe bald Teil zwei lesen zu können. LG

  • #8

    Holger (Freitag, 14 April 2017 21:57)

    @Rita

    Der 2 Teil ist schon online: https://www.detailbilder.de/2016/09/14/was-ist-depression-der-amateurhafte-versuch-einer-analyse-teil-2/

    Gruss

    Holger

  • #9

    Holger (Montag, 17 April 2017 16:02)

    Vielen lieben Dank an alle für eure Kommentare !

    Es zeigt mir das es nicht nur wichtig für mich ist, darüber zu schreiben!

    Gruss

    Holger