Was fühlt ein depressiver Mensch? Teil 2020/5

Kampf, oder Akzeptanz?

 

Möchte heute mal ein wenig darüberschreiben, wie ich zwischenzeitlich mit der Erkrankung Depression umgehe. Wenn ich ehrlich zu mir selber bin, klappt das zwar nicht immer, aber dafür immer öfter.

 

Ich habe sehr lange gekämpft, um diese Krankheit zu besiegen Ich wollte wieder ein „normales“ Leben wieder zu führen! Jeden Tag aufs Neue. Jeden Tag wieder alle Kräfte mobilisieren. Doch sehr oft waren diese Kräfte gar nicht mehr da. Ich war schon besiegt, bevor der tägliche Kampf begonnen hatte.

 

Vorsätze zerplatzten wie Seifenblasen, Dunkelheit und Gefühlslosigkeit durchfluten mich. Wieder einmal es nicht geschafft. Wieder einen Kampf nicht gewonnen. Wozu das alles? Hoffnungslosigkeit breitet sich immer mehr aus. So ist es immer wieder geschehen und es wurde nicht besser, es wurde eher schlimmer.

 

Stationäre Aufenthalte und die seit 7 Jahren andauernde ambulante Therapie haben mir aber geholfen. Geholfen diese Krankheit zu akzeptieren. Sie als einen Teil meiner Persönlichkeit anzusehen. Aber wer nun Akzeptanz mit Aufgabe gleichsetzt, hat es nicht richtig verstanden, was das Wort Akzeptanz bedeutet.

 

Akzeptanz kann erreicht werden durch Verstehen Also die Erkenntnis, dass eine Situation nun mal so ist, wie sie ist. Im Klartext heißt das für mich, ich habe verstanden das ich diese Krankheit habe und ich damit leben muss. Sicher gibt es auch Fälle von Depressionen, die geheilt werden können, aber eben auch nicht. Mit dem Verständnis um meine Krankheit hat sich auch meine Einstellung zu ihr gewandelt.

 

Da sie ein Teil meines Lebens ist, würde ich bei einem Kampf immer nur gegen mich selber kämpfen, was keinen Sinn macht. Mit jedem Kampf habe ich dieser Krankheit früher viel mehr Raum gegeben, als sie eigentlich hatte. Durch die Akzeptanz (Verstehen), weiß ich um meine Krankheit und was sie verursacht. Ich weiß was sie mit mir macht in akuten Situationen. Doch ich weiß auch das mein Leben nicht nur aus diesen Situationen besteht. In den Zeiten wo ich noch im Kampf mit mir selbst und der Krankheit war, habe ich wertvolle Zeit verloren. Doch ich jammere ihr nicht nach, sondern sehe auf das Hier und Jetzt.

 

 

Nachtrag:

 

Ich sitze hier an meinem Rückzugsort und lese den Text noch mal durch den ich hier geschrieben habe. Wer hätte gedacht, dass ich so offen mit meiner Krankheit umgehen werde? Meine Überzeugung ist es, das mit der Akzeptanz der Weg zur Heilung, in welcher Form auch immer, geebnet wird.

 

Hier schreibe ich meine persönlichen Erfahrungen mit dieser Krankheit, die ich hier auf dem Blog veröffentliche. Ich sage nicht, dass jeder so handeln sollte, oder kann. Nehmt es als Gedankenanstoß mit und vielleicht kann der eine oder andere was damit anfangen. Für alle Betroffenen zum Schluss: Holt euch fachliche Hilfe! Ihr seid es wert!!!

Kommentar schreiben

Kommentare: 0