Was fühlt ein depressiver Mensch? Teil 2020/13

Die Büchse der Pandora

 

Ich habe ja hier auf meinem Blog schon einiges über meine Depressionen erzählt. Was für Gefühle sie mitbringt oder sogar zerstört. Heute möchte ich ein wenig in die Vergangenheit meiner ambulanten Therapie zurück gehen.

 

Gerade in der Anfangszeit hatte ich große Probleme über meine Krankheit und dessen Auswirkungen zu erzählen. Ich hatte unsägliche Angst vor dem was da in mir schlummert. Ich habe Jahre gebraucht um diese „Büchse der Pandora“ zu öffnen. Während der Therapie versuchten wir diese nur ein klein wenig zu öffnen, aber meine Angst vor dem Inhalt lies es nicht zu.

 

Ich hatte Angst das ich die Büchse nicht nur ein wenig öffnen kann. Wenn diese einen Spalt weit offen wäre, würde sie explodieren und alles was darin versteckt gehalten wurde, würde auf einmal herauskommen und mich zerstören. Eine andere Angst war das sie mich komplett verschlucken würde und ich nie wieder aus ihr herauskommen kann. Die Angst war sicher nicht unbegründet und war auch mein Selbstschutz damals.

 

 

Wie schon gesagt, es ging über Jahre, bis ich wirklich bereit war mir Teilbereiche anzusehen. Ich konnte sie ansehen, ohne dass die Büchse überhaupt geöffnet wurde. Durch die Therapie konnte ich langsam aber immer mehr einige Bereiche des Deckels abwischen und mir Teilbereiche vom Inhalt dieser Büchse ansehen. Wenn es zu heftig wurde und das passierte nicht nur einmal, konnte ich ein Tuch wieder auf den durchsichtigen Bereich des Deckels legen.

 

Was jetzt geschehen war, ich hatte von mir aus die Möglichkeiten erkannt, je nach Situation, mir diese Stellen anzusehen und nach Bedarf aber auch wieder abzudecken. Ich hatte es in der Hand und nicht meine Depression mich!

 

Sicher war das was ich dort gesehen habe nicht wirklich schön und manche Themen sind auch heute noch nicht vollständig sichtbar gemacht. Doch ich arbeite daran und die große Angst sich diesen Dingen zu stellen, ist nur noch selten vorhanden. Ob ich diese Büchse je öffnen werde, bleibt ungewiss.

 

Vielleicht wird der komplette Inhalt eines Tages von außen sichtbar sein und auch dort bleiben. Denn das was ich da mit mir rumtrage, ist ja auch ein Teil meiner Person und meiner Vergangenheit. Ich habe sogar den Gedanken, dass ich diese hoffentlich komplett durchsichtige Büchse der Pandora nicht mal zwangsweise öffnen muss. Ich sehe auf den sichtbaren Inhalt und lerne damit zu leben. Denn der Inhalt ist ein Teil von mir und ich kann diesen Teil ja nicht löschen wie man eine Festplatte löscht.

 

Denn aus dieser sichtbaren Büchse der Pandora erwächst für mich ein neues lebenswertes Leben und es war so wichtig und richtig, dass ich Hilfe von außerhalb bekommen und angenommen habe!  

 

Ich wünsche euch Betroffene da draussen, dass ihr auch euren Weg findet und auch Hilfe bekommt. Ihr seid es wert !!! 

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Kommentare: 2
  • #1

    Kartenschreiber Uwe (Mittwoch, 12 Februar 2020 16:32)

    Moin Holger, Du beschreibst dein Erleben der Erkrankung. Und schau einmal welchen für Dich wichtigen, sicherlich auch steinigen Weg Du gemeistert hast und auch weiter gehst. Dafür wünsche ich Dir weiterhin viel Kraft. Und helle Tage.

    Grüsse !

    Uwe

  • #2

    Holger (Mittwoch, 12 Februar 2020 17:19)

    @Kartenschreiber Uwe

    Vielen lieben Dank mein treuer Leser für deinen Kommentar. :-)

    Gruss

    Holger