Was fühlt ein depressiver Mensch? Teil 6

Die Büchse (Der Koffer) der Pandora

 

In den Gesprächen während meines ersten Klinikaufenthaltes, wurde mir nach einigen Wochen klar, dass ich einen schweren Koffer mit dunklen Erinnerungen bei mir trug. Diesen zu öffnen wagte ich nicht.

 

Es war für mich wie die Büchse der Pandora. Es gab für mich zu dieser Zeit nicht die Möglichkeit, bzw. ich war noch nicht soweit diesen zu öffnen. Auch die vielen Gespräche halfen da nicht. Den Vorschlag, diesen Koffer nur einen kleinen Spalt zu öffnen, brachte nur Panik in mir hervor.  

 

In mir sträubte sich alles allein bei diesem Gedanken. Nur einen Spalt öffnen, das war unmöglich für mich. Denn ich hatte die tiefsitzende Panik das der Koffer voll aufspringen könnte und alles das was meine Depressionen ausmacht, mir mit einem Mal um die Ohren fliegt.

 

 

Ich hatte diesen Koffer vor langer Zeit in den letzten dunklen Raum in meinem Kopf abgestellt. Mit einer dicken, undurchdringlichen Stahltür verschlossen und den Schlüssel weggeworfen. Das war für mich die einzige Möglichkeit, um in der Realität des Lebens bestehen zu können.

 

So vergingen Jahre, Jahrzehnte, in dem kein Gedanke mehr an diesen Dunklen Ort mit dem Koffer aufgetaucht sind. Arbeit, Heiraten, Kinder, ein ganz „normales“ Leben halt. Doch dann auf einmal kamen diese körperlichen Beschwerden, von denen ich euch schon erzählt habe (Folge 4).

 

Im Endeffekt war es aus der heutigen Sicht nichts anderes, als das der fortgeworfenen Schlüssel für diesen Dunklen Ort, mit meinem abgeschlossenen Koffer, wiederaufgetaucht ist. Die damit verbundenen Gedanken waren plötzlich nach Jahrzehnten der Vergessenheit wieder aktueller und noch präsenter, als damals im Kindesalter.

 

Doch ich war ja jetzt erwachsen und glaubte, dass ich das alles irgendwie überwunden hatte und auch diesen Schlüssel wieder vergessen würde. Dem war aber nicht so.

 

… Fortsetzung folgt.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0