Was fühlt ein depressiver Mensch? Teil 2020/4

Eine weitere Schlacht habe ich gewonnen!

 

Gestern kam wieder so ein Schub. War kurz vorm Weinen. Warum? Keine Ahnung. Am späten Nachmittag habe ich es trotzdem geschafft mit Kamera bewaffnet ins Auto zu steigen. Ich fuhr über eine Stunde rum und das Gefühl wurde nicht weniger. Einzelne Tränen rollten hinunter als ich unverrichteter Dinge wieder nach Hause fuhr.

 

 

Ich sagte meiner Frau was los ist, ohne zu wissen was wirklich mit mir los ist. Danke dafür, dass meine Frau einfach da ist. Mit wässrigen Augen dachte ich später noch an einen Termin. Matthias, ein guter Freund und ich wollten wieder einen gemeinsame Podcastfolge von „Die Fotolinsen“ aufnehmen.

 

Vorher fragten mich zwei weitere Freunde unabhängig voneinander, ob ich nicht Lust hätte mit ihnen später zusammen einen gemeinsamen „Herrenabend“ zu verbringen. Meine Antwort darauf war: „Hab gleich noch ne Podcastaufnahme und mir geht es heute nicht so gut. Werde danach meine Drogen einwerfen und ins Bett gehen.“  

 

Als ich später Matthias kurz vor der Aufnahme von meinem derzeitigen „Zustand“ erzählte, fragte er mich, ob ich die Aufnahme verschieben möchte. Ich sagte nein, denn mir ging es zwar nicht so gut, aber ich mag unseren gemeinsamen Podcast sehr. Die Aufnahme startete und ich war froh, abgelenkt zu sein. Auch meine "Stimmung" hatte sich etwas verbessert. Eine Stunde später war alles gesprochen was wir besprechen wollten und ich fragte mich, ob ich nicht doch noch zum „Herrenabend“ fahren sollte. Ein kurzes Hin und Her später, machte ich mich auf und fuhr los.

 

Es war ein toller Abend mit guten Freunden, die sich riesig gefreut haben, mich zu sehen und die wussten, dass dieses nicht selbstverständlich war. Es ist gut, wenn Freunde um die Erkrankung, die ich habe, Bescheid wissen. So hätte ich auch kurzfristig wieder gehen können, wenn es mir nicht gut geht, ohne lange Erklärungen machen zu müssen. Meine Offenheit hat mir diese Freiheit geschenkt.

 

Erst Stunden später fuhr ich wieder nach Hause und dankte meinem Gott, dass er mir in dieser Situation den richtigen Weg aufgezeigt hatte. Ich habe gestern einen riesigen Erfolg für mich im Kampf gegen die Depression verbuchen können. Damit ist zwar noch nicht der Krieg beendet, aber ich bin ein Stück weitergekommen.

 

Heute früh geht es mir nach wenigen Stunden Schlaf relativ gut und ich war wieder bei einem Freund zum Kaffee eingeladen. Es geht mir jetzt aktuell gut und das möchte ich so lange genießen, wie es anhält.

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