Was fühlt ein depressiver Mensch? Teil 5

Tarnung, Täuschung und sich selbst belügen.

 

 

Nach den letzten Teilen meiner Reihe, möchte ich heute ein wenig auf das eingehen, wie man mit dem persönlichen Umfeld umgeht und auch von Umfeld wahrgenommen wird. Klare Ansage, dieses ist meine Geschichte und muss nicht zwangsweise jedem der an Depressionen leidet, so passieren.

 

Als klar war das meine körperlichen Beschwerden nicht vom Körper selbst kommen, wurde mir bewusst, dass etwas nicht Greifbares der Ausgang allen Übels war. Der Schritt in den stationären Aufenthalt in eine psychosomatische Abteilung war ein Schritt in das Ungewisse. Was stimmt mit mir nicht und wie soll ich das meinem Umfeld erklären? Ich konnte es ja mir selbst nicht mal erklären.

 

Also wurde ich noch besser in meiner Art der Schauspielerei. Nach Außen immer noch der coole Typ, der alles irgendwie im Griff hatte. Selbst während dem ersten stationären Aufenthalt konnte ich das nur bedingt ablegen.

 

Nachdem ich wieder entlassen war, habe ich mich wie schon erzählt, um keinen Anschluss gekümmert. Ich brauchte keine ambulante Therapie. Ich war ja jetzt wieder „gesund“. Wieder täusche ich mein Umfeld und ins Besondere mich selber.

 

Also versuchte ich wieder ein „normales“ Leben zu führen. Wollte nicht durch eine psychische Erkrankung auffallen. Ich wollte das normale Leben wieder haben was ich vermeintlich vorher gehabt hatte. Wenn Fragen kamen wie es mir ginge, antwortete ich nicht ehrlich und faselte was vor mich hin. "Ganz gut", oder "So lala".

 

Doch diese Antworten waren zu 99% gelogen und im selben Augenblick belog ich mich selber. Eine psychische Erkrankung zu erklären ist auch verdammt schwer und mir ging es ja gut, dachte ich.

 

Das was mich davon abhielt wirklich darüber zu sprechen, ist das nicht Greifbare dieser Erkrankung. Es gibt keinen Verband, keine Röntgenbilder oder ähnliches. Nichts mit denen man sich selber und dem Umfeld beweisen konnte, dass man krank ist. Nicht greifbar, nicht Beweisfähig. Was war nur mit mir los? Wie soll ich das beschreiben, was ich selber nicht verstehen konnte und so blieb ich lange Jahre in dieser Position der Tarnung, der Täuschung und dem Selbstbetrug.

 

Ich wollte einfach nicht auffallen und das gelang mir relativ gut ... dachte ich.

 

...Fortsetzung folgt.   

 

 

P.S. An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bedanken für die Kommentare hier und auch auf den Sozialen Kanälen. Auch für das Teilen meiner Beiträge bin ich sehr Dankbar!  

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Kommentare: 4
  • #1

    Monique Regin (Mittwoch, 11 Dezember 2019 08:28)

    Eben das ist es, was Du da beschreibst...
    Man selbst weiß nicht, was mit einem gerade los ist und warum der eigene Körper dermaßen dicht macht...
    Wie soll man es dann seinem Umfeld erklären, wenn man es selbst nicht erklären kann...
    Ich fühle mich nur meinem engsten Familienkreis vertraut, die halbwegs dafür Verständnis haben und auch nur bei denen huscht mal ein Lächeln über mein Gesicht...
    Ich hatte noch keine richtige Therapie und auch noch keine Klinik Aufenthalte, da meine Diagnose noch recht frisch ist...
    Fakt ist, ich will mein Leben zurück, wie es noch Anfang des Jahres war...

  • #2

    Holger (Mittwoch, 11 Dezember 2019 08:53)

    @Monique Regin

    Danke für deinen Kommentar. Wünsche dir das du bald einen Therapieplatz bekommst!

  • #3

    Sascha (Mittwoch, 11 Dezember 2019 12:35)

    Ich kann dir nur zustimmen und empfinde das genau so. Man versucht irgendwie nach außen weiter locker zu wirken, aber das bricht alles weg zu Hause hinter der Tür...
    Danke für deine Worte..

  • #4

    Holger (Mittwoch, 11 Dezember 2019 13:43)

    @Sascha

    Vielen lieben Dank für deinen Kommentar !