Was fühlt ein depressiver Mensch? Teil 3

Körper und Geist, oder: „Tiefer in die Materie des nicht Greifbaren eintauchen.“

 

Heute erzähle ich euch von der Zeit vor meinem ersten klinischen Aufenthalt. Denn es soll ja in dieser Serie um die Gefühle/Gedanken gehen, die mich während meiner Erkrankung umtreiben.

 

In der letzten Folge habe ich eigentlich nur oberflächlich erzählt wie die Abfolge und der erste stationäre Aufenthalt für mich waren. Aber dahinter steckt so viel mehr. Denn meine Depression kündigte sich nicht im Kopf an, sondern mit körperlichen Symptomen.

 

Es fing an mit den Nächten, in denen ich nicht mehr durchschlafen konnte. Es vergingen Jahre in denen ich selten als 2 Stunden im Stück noch geschlafen habe. Plötzlich wurde ich wach und mit wach meine ich das richtige wachwerden. Ich konnte mich nicht mehr einfach auf die andere Seite legen und weiterschlafen. Ich bin dann aufgestanden. Habe lustlos im Wohnzimmer vor dem Computer gesessen und einfach durch das große WWW gesurft.

 

Nach ca. 30-45 Minute habe ich mich wieder ins Bett gelegt. Ich bin dann auch relativ gut wieder eingeschlafen. Doch dann waren es wieder maximal 2 Stunden, die ich dann die Augen geschlossen hatte und das Szenario fing von vorne an.

 

 

Man kann sich vorstellen wie fertig man dann am morgen aufgestanden ist und mit welcher Energie man den Arbeitstag erledigt bekam. Zuhause dann angekommen war man völlig platt und ich legte mich immer öfter auf die Couch. Doch auch dort bekam ich nicht die Ruhe, die mein Körper und mein Geist brauchten.

 

Ich war in dieser Zeit sehr schnell reizbar und das mussten dann meine Frau und meine Kinder ertragen. Im restlichen Umfeld war ich immer gut drauf und für jeden Mist zu haben. Damals wusste ich noch nicht das ich mich zu einem perfekten Schauspieler ausbildete.

 

Jahre gingen dahin und ich ahnte immer noch nicht was mich am Schlaf hinderte und was ich dagegen machen könnte. „Der Mensch ist ein Gewohnheitstier.“ Das kann ich so voll unterschreiben! Man gewöhnt sich daran mit wenig Schlaf auszukommen und dem Umfeld nicht zu sagen, wie müde und platt man eigentlich war. Mein Körper gab mir Warnsignale, aber ich hörte nicht darauf. Das Hamsterrad, dass sich mein Leben nannte, musste weiter am Laufen gehalten werden.

 

… Fortsetzung folgt.

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