Was fühlt ein depressiver Mensch? Teil 2

Die ersten Schritte, der erste Sturz.

 

Als ich für mich erkannt habe das ich ohne fremde Hilfe mit meiner Erkrankung nicht klarkommen würde, habe ich mich als erstes an meine Hausärztin gewandt.

 

Diese hat das Problem erkannt und hat mir einen Platz in einer Klinik besorgt. Beziehungsweise ich kam auf eine Warteliste. Ich hatte aber noch Glück und nach 4 Wochen konnte ich die erste Therapie in meinem Leben beginnen. Zu diesem Zeitpunkt war ich schon längst arbeitsunfähig geschrieben und bekam auch keine Lohnfortzahlung mehr.

 

In den nächsten 12 Wochen waren klar strukturiert. Einzel - und Gruppengespräche. Kunsttherapie, Nordic Walking, Gespräche mit dem jeweiligen Stationspersonal, wenn man Schwierigkeiten hatte.

 

Alles war neu und ich brauchte einige Zeit, um von mir und meiner Erkrankung zu erzählen. Was mich umtreibt und warum ich kaum noch Schlaf in der Nacht finden konnte. Die Gemeinschaft mit den anderen Patienten zeigte mir auf, dass ich nicht alleine war mit meiner Krankheit.

 

In den letzten Wochen wurde mir geraten mir einen Therapeuten zu suchen der, nach dem stationären Aufenthalt, mich weiter begleiten sollte. Es gab eine lange Liste mit möglichen Therapeuten und nun lag es an mir diese Liste abzuarbeiten.

 

Doch ich war wohl noch nicht wirklich soweit, dieses zu tun. Ich war ja nun knapp 3 Monate stationär therapiert worden. Ich bin doch jetzt wieder gesund/geheilt. Wozu brauchte ich jetzt noch einen Therapeuten?

 

So schloss ich den Aufenthalt in der Klinik ab und ging nach Hause. Alles war gut … dachte ich. Doch nach wenigen Wochen kam der Sturz in die Dunkelheit. Heftiger als je zuvor. Warum? Weil ich zu dem Zeitpunkt dachte ich hätte wieder alles im Griff und brauchte keine weitere therapeutische Behandlung mehr.

 

Die dunklen Wolken der Depression ließen mich meinen Weg nicht erkennen und ich fiel in ein tiefes Loch. Es war als wenn wieder alles aus Anfang gestellt war und die drei Monate in der Klinik für die Katz waren. Ich hatte nicht begriffen, dass ich noch nicht am Ende meines Weges der Heilung angekommen war.

 

 

Wieder war es meine Hausärztin, die sich für mich stark machte und ich in relativ kurzer Zeit einen Termin bei einem ambulanten Therapeuten bekam.

 

… Fortsetzung folgt.

Kommentar schreiben

Kommentare: 4
  • #1

    Christel Kuba (Mittwoch, 04 Dezember 2019 20:34)

    Ich habe als Kind den Krieg in Berlin erlebt und schreckliche Dinge erlebt und gesehen. Die konnte ich bis heute nicht verarbeiten und bekam nie Hilfe, dadurch war ich seit meiner Jugend Depressiv.

  • #2

    Holger (Mittwoch, 04 Dezember 2019 20:59)

    @Christel Kuba

    Vielen Dank für deinen Kommentar.

    Ich kann es mir nicht mal ansatzweise es vorstellen was du für Ängste durchlebt hast und diese dein Leben geprägt haben. Bin selber sehr Dankbar dafür das es heute Möglichkeiten gibt damit klar zu kommen, was nicht immer heißen muss, das die jeweilige Krankheit verschwindet.

  • #3

    Antje (Donnerstag, 05 Dezember 2019 08:27)

    Kenn ich zu sehr. Raus aus dem Krankenhaus und Zack kam das schwarze Loch wieder auf mich zu. Tabletten sind nur Krücken man muss lernen ohne Medikamente auszukommen.

  • #4

    Holger (Donnerstag, 05 Dezember 2019 08:49)

    @Antje

    Tabletten sind für mich keine Krücken. Sie helfen mir zwischenzeitlich ein durchaus gutes Leben zu führen. Gebe aber auch zu, dass es allein nur mit Tabletten nicht funktioniert. Sie sind für mich derzeit eine Unterstützung zu meiner Gesprächstherapie. Ob ich sie in der Zukunft reduzieren, oder sogar komplett absetzen kann, wird sich zeigen.

    Gruss

    Holger