Was fühlt ein depressiver Mensch? Teil 2020/12

Am Abgrund ...

 

… habe ich schon gestanden. Sich Gedanken um den Tod gemacht. In den dunkelsten Stunden meiner Depression war ich am Ende meiner Kraft und sah darin nur noch den letzten Ausweg.

 

Warum ich den letzten Schritt nicht gemacht habe? Ich weiß es nicht. Woran ich aber glaube ist, dass meine Zeit einfach noch nicht gekommen war und sich jemand von Oben um mich gekümmert hat.

 

In dieser Zeit am Abgrund habe ich nicht an meine Frau oder die Kinder gedacht. Ich hatte auch keine Angst den nächsten Schritt zu gehen. Ich sah hinunter, ohne mir irgendwelche Gedanken zu machen. Völlig teilnahmslos stand ich dort.

 

Ich wartete dort am Abgrund. Doch auf was, oder wen, kann ich auch heute nicht sagen. Vielleicht wollte ich vor dem letzten Schritt noch eine Erklärung für mich haben, warum ich diesem Leben keine weitere Chance mehr geben wollte.

 

 

Wenn ich heute darüber nachdenke, kann ich wirklich aus vollem Herzen sagen, dass ich sehr dankbar bin, den letzten Schritt nicht gemacht zu haben. Das Leben kann auch mit Depressionen lebenswert sein!

 

Wichtig dabei war mir endlich Hilfe zu holen. Mir einzugestehen, dass ich mein Leben nicht mehr im Griff habe. Sich selber Zeit zu geben, um langjährige Muster zu durchbrechen. Trotz Rückschläge nicht wieder in diese alten Muster fallen, sondern Schritte nach vorne zu machen.

 

Nach stationären Aufenthalten und immer noch andauernder, jahrelanger, ambulanter Therapie, kann ich wieder lachen und lieben. Ich spüre die Sonne, wie auch den Regen auf der Haut und es fühlt sich wunderbar an.

 

Bin ich geheilt? Wohl kaum, aber ich habe gelernt mit dieser Krankheit zu leben! Ja es ist eine KRANKHEIT und kein Unwohlsein, oder man ist mal schlecht gelaunt. Ich möchte jedem Betroffenen zurufen: „Lasst euch helfen, ihr seid es wert!!!“ 

 

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