Was fühlt ein depressiver Mensch? Teil 1

Allgemein das zu beantworten, geht nicht!

 

Jeder der an dieser Krankheit leidet, ja es ist eine Krankheit(!), hat eine einzigartige Geschichte, die dazu geführt hat. Mein Versuch das Ganze zu erklären, kann also nur auf meine Erkrankung und meine Erfahrung beruhen. Sicher mag es da teilweise Überschneidungen mit anderen Erkrankten eben, aber eben nur Überschneidungen, nicht mehr.

 

Heute möchte ich euch ein wenig mitnehmen in die Phase, wenn mich ein depressiver Schub erwischt. Gleich zu Anfang, meine depressiven Schübe kommt nicht langsam, schleichend und verstärken sich mit der Zeit, sie ist einfach plötzlich da! Keine Vorwarnzeit, in der ich versuchen könnte, mich darauf einzustellen. Es ist, als wenn ein Schalter in meinem Kopf umgelegt wird. Damit dieses geschieht, benötigt es keine Reizworte, oder Bilder, oder sowas. Es geschieht einfach.

 

Ich befinde mich dann mehr oder weniger von einem zum anderen Moment in einem dunklen Loch. Alles um mich herum ist Schwarz und ohne Gefühle. Tränen laufen mir ab und zu herunter und ich weiß nicht warum. Freundliche Worte erreichen mich nicht und die Menschen um mich herum verschwinden immer mehr.

 

Gut gemeinte Ratschläge wie „Du musst mehr rausgehen in die Sonne, das hilft dir sicher!“ erreichen mich genauso wenig, wie auch negative Infos. Ich bin gefangen in einem dunklen Loch der Gleichgültigkeit. Ab und zu schaue ich nach oben und sehe einen kleinen Ausschnitt der Realität, die andere Menschen erleben.

 

 

Doch das wieder zu erreichen, das schaffe ich nicht, denn es gibt weder eine Treppe, oder Leiter, die mich dorthin führen könnte. Der Kopf neigt sich wieder und ich sehe nur noch Dunkelheit und diese hat mich voll ergriffen. Doch wie gehe ich heute damit um, wenn es mich mal wieder voll erwischt?

 

Gleich zu Anfang, dieses geschieht längst nicht mehr so oft wie noch vor Jahren. Doch diese dunklen Phasen knallen dafür umso heftiger, nach dieser Zeit, in der es mir relativ gut ging.

 

Ich erfahre diese Dunkelheit heute ganz anders als früher. Sehr oft eher in der Person, die sich diese dunkle Phase anschaut und sieht was sie mit mir macht. Ich kämpfe nicht dagegen an. Das hat mir nie wirklich geholfen. Eher das Gegenteil war der Fall. Durch das ankämpfen gab ich der Krankheit viel mehr Raum und sie zeigte mir immer wieder meine Unzulänglichkeiten und ich fiel noch tiefer in das dunkle Loch der Depression.

 

Wenn ich heute mir diese dunkle Phase, die mich mal wieder erwischt hat, so anschaue, sehe ich sie aus einer ganz anderen Perspektive an. Ich erkenne was sie macht und wie sie versucht mich weiter nach unten zu ziehen. Ich falle aber nicht mehr so oft auf diese Versuche rein. Ich weiß, dass ich an dieser Krankheit leide, will ihr aber mit zu großer Aufmerksamkeit und Gegenwehr, nicht noch mehr Raum in meinem Leben geben.

 

Das klappt nicht immer, aber immer wieder und dort merke ich das ich viel schneller aus dieser dunklen Phase den Weg ins Licht wieder schaffe. Ich akzeptiere mich und meine Krankheit. Ich weiß das ich Depressionen habe. Ich weiß aber auch das ich daran arbeite und es mir heute deutlich besser geht. Die guten Phasen zwischen den dunklen Zeiten sind deutlich länger geworden. Ich habe mir fachliche Hilfe geholt und das hat mir deutlich gezeigt, das es auch anders sein kann.

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Kommentare: 3
  • #1

    Uwe (Mittwoch, 04 Dezember 2019 21:21)

    Ich kann das sehr gut nachvollziehen bei mir ist es genauso. Ich fühle mich dann als wiege ich 300 kg und mehr. Als ob ich in einem dunklen Raum ohne Türen stehe und schreien oder rufen bringt nichts es hört mich niemand.

  • #2

    Holger (Mittwoch, 04 Dezember 2019 22:02)

    @Uwe

    Vielen Dank für deinen Kommentar.

    Wenn ich in dieser Dunkelheit bin, hätte ich nicht mal die Kraft zu schreien. Dunkelheit, Gleichgültigkeit umgeben mich dann. Aber ich habe im Laufe vieler Jahre gelernt mit solchen Situationen besser umgehen zu können. Da wird in einer der Fortsetzungen ein Thema sein.

    Gruss

    Holger

  • #3

    Dorothea Kraft (Donnerstag, 05 Dezember 2019 16:31)

    Das ist sehr gut beschrieben. Bei mir schiebt sich manchmal ohne Vorwarnung eine dunkle Wolke vor die Sonne und alles wird farblos und trist. Manchmal hilft mir Bewegung an der frischen Luft. Ansonsten aushalten und bloß nicht kämpfen. Jemand ohne Depressionen wird das nie verstehen können. Das erwarte ich auch nicht mehr.