Menschen mit Depressionen sind die besten Schauspieler

So lief ich Jahrzehnte lang durch die Welt. Ich setzte meine Maske auf und trug meine wahren Gefühle in einer verschlossenen Tasche mit mir rum. Keiner sollte sehen wie es in mir ausschaut.

 

 

Diese kraftzehrende Lebensweise, brachte mir nur noch mehr Dunkelheit zu meiner Depression hinzu. Ich war ja nicht ich. Keiner konnte es sehen wie es mir wirklich ging, denn ich war ein Meister der Maske geworden.

 

Lachen dort, wo mir zum Heulen zumute war. Sich treffen mit Freunden und Bekannten, obwohl ich mich in das letzte dunkle Loch verkriechen wollte. Am Arbeitsplatz sich zusammenreißen, um seinen Job zu machen. Man musste ja irgendwie funktionieren. Innerlich war ich aber schon längst zerbrochen.

 

So wie ich lebte, war es kein wahres Leben. Es war so anstrengend in meiner Zerbrochenheit stark nach außen zu wirken. Es durfte keiner wissen, ich selber wollte diese Sache irgendwie auf die Reihe bringen und zerbrach so oft an den guten Vorsätzen.

 

Diese Schauspielerei nach außen hin zehrte mich aus und es kam wie es kommen musste. Erst ein totaler Zusammenbruch, wo ich selber keine Kraft mehr hatte die Maske wieder aufzusetzen, brachte mich auf den Weg der Heilung.  

 

Zugeben, sein Leben nicht mehr selber auf die Reihe zu bringen, ist hart … sehr hart! Doch aus dieser Erkenntnis heraus, habe ich mir Hilfe geholt. Durch diese Hilfe, in den vergangenen Jahren, durfte ich viel über mich lernen und die dunklen Zeiten wurden im Laufe dieser Zeit immer weniger.

 

Sicher, die dunklen Gedanken, sie sind nicht ganz weg. Aber mein Leben ist für mich wieder lebenswert geworden und ich sehe frohen Mutes in die Zukunft.

 

Ich möchte euch allen da draußen zurufen: „Holt euch Hilfe! Es lohnt sich und ihr seid es wert!“

 

Wartet nicht wie ich, erst bis zum totalen Zusammenbruch. Gesteht es euch ein und lasst euch helfen!!!

 

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Markus (Sonntag, 01 Dezember 2019 11:48)

    Hallo H.
    Und genauso habe ich es auch vor einigen Jahren gemacht, mir Hilfe geholt. Leider ging so viel Lebenszeit verloren, bis ich die für mich richtige Hilfe gefunden habe.
    Letzendlich habe ich durch die "verlorene" Zeit aber auch gelernt mehr zu unterscheiden, zwischen gut für mich und schlecht für mich.
    Also sehe ich das als meinen Weg an, der mir geholfen hat, auch wenn jetzt noch nicht alles gut ist. Aber ich gehe genau wie du, jetzt offen damit um. Dieses war das richtigste was du tun kannst. Ich lese gerne deine Beiträge, und finde mich dort wieder. Aber wie es manchmal so ist, man hinterfragt es allzu oft, ob man das was man schreiben möchte, dem ganzen gerecht wird und lässt es lieber sein. Heute hatte ich den Mut zu schreiben.
    Vielen Dank dafür, dass du uns teilhaben lässt.
    Lg

  • #2

    Holger (Dienstag, 03 Dezember 2019 16:10)

    @Markus

    Vielen Dank für deinen Kommentar !!!

  • #3

    Matze (Donnerstag, 05 Dezember 2019 20:21)

    Puh, 12 Wochen habe ich auch hinter mich gebracht. Es war hart, aber gut. Und die Geschichte mit der Maske kenne ich auch nur zu gut. Danke für deine Ehrlichkeit!